Fragen zum Semesterticket

Fragen zum Semesterticket

Häufig gestellte Fragen an den VRR

Was ist ein Semesterticket und warum ist es so günstig?

Die Idee eines Semestertickets – also unbegrenzte Fahrt für Studenten im regionalen ÖPNV – kam Anfang der 1990er Jahre als ökologisches Konzept an deutschen Hochschulen auf und wurde erstmals an der FH Darmstadt zum Wintersemester 1991/92 umgesetzt. Der günstige Preis der Semestertickets, die in den folgenden Jahren an zahlreichen Hochschulen in ganz Deutschland eingeführt wurden, basiert auf dem Solidaritätsprinzip. Alle Studierenden einer Hochschule bezahlen einen einheitlichen Preis, obwohl nicht alle das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs nutzen. Dieses Prinzip ist und war unter den Studierenden nicht unumstritten. Eine diesbezügliche Klage wurde jedoch vom Bundesverfassungsgericht zurückgewiesen, die Richter stellten die Gemeinwohlbelange und den Nutzen für die gesamte Studierendenschaft über die Zwangsabnahme im Einzelfall.

(Beschlüsse vom 4. August 2000 - 1 BvR 1510/99, 1 BvR 1410/99)

Seit wann gibt es das Semesterticket im VRR?

Nach dem Solidaritätsprinzip wurde zum Wintersemester 1992/93 auch im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr das Semesterticket eingeführt, nachdem entsprechende Verträge zwischen den Allgemeinen Studierenden Ausschüssen (ASten), den örtlichen Verkehrsunternehmen und dem VRR geschlossen worden waren. An der Universität Dortmund kamen die Studenten probehalber bereits zum Sommersemester in den Genuss des günstigen und für das gesamte VRR-Verbundgebiet gültigen Tickets. Grundlage für den Preis von 84 Mark war 1992 eine Einschätzung des VRR, dass sich durch Einführung des Tickets doppelt so viele Studierende für die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln entscheiden würden als vorher. Vor Abschluss der Verträge hatten gerade einmal 20 von 100 Studierenden regelmäßig ihre Hochschulen mit dem ÖPNV erreicht.

In den folgenden Jahren setzte sich das Semesterticket flächendeckend im VRR und in Nordrhein-Westfalen durch. Die Nutzerzahlen stiegen ebenso wie die Bemühungen der Städte und Kreise im VRR, die Hochschulstandorte gut an das öffentliche Nahverkehrsnetz anzuschließen. Durch die wachsende Akzeptanz wuchs auch die Nachfrage nach einer räumlichen Ausweitung der bis dato auf die NRW-Verkehrsverbünde beschränkten Semestertickets. Dem kam das Land Nordrhein-Westfalen zum Sommersemester 2008 nach. Ab diesem Zeitpunkt führten acht Hochschulen das SemesterTicket NRW ein, bis zum Wintersemester 2013 stieg diese Zahl auf 63 Universitäten und Fachhochschulen in NRW.

Wie viel kostet das Semesterticket heute und wie viele Studenten können es nutzen?

Das Semesterticket kostet heute im VRR 19,06 Euro im Monat, das sind 114,36 Euro im Semester. Verträge über das Semesterticket bestehen zwischen mehr als 30 Hochschulen und dem VRR, insgesamt können aktuell etwa 210.000 Studierende das Ticket nutzen. 29 Hochschulen im VRR haben die Vereinbarung zum SemesterTicket NRW getroffen, das mit 48,10 Euro je Semester zu Buche schlägt.

Zum Vergleich: Ein YoungTicketPlus mit vergleichbaren Leistungsmerkmalen zum VRR-Semesterticket kostet Auszubildende knapp 90 Euro im Monat.

Wie wird das Semesterticket finanziert?

Die Finanzierung des Semesterticket ruht auf zwei Säulen: Die Einnahmen aus den Semesterbeiträgen gehen an die jeweiligen Verkehrsunternehmen, im Rahmen der VRR-Einnahmenaufteilung wird im Nachhinein ein Ausgleich für Leistungen anderer Unternehmen hergestellt. Daneben erhalten die lokalen Verkehrsunternehmen einen Ausgleich für die Ausbildungsverkehre aus Landesmitteln. Voraussetzung für diesen Ausgleich ist eine Erhebung durch die Verkehrsunternehmen, in welchem Maß das Semesterticket durch die Studierenden genutzt wird. Diese Pflicht erfüllen die Verkehrsbetriebe über zweijährig stattfindende Befragungen, in deren Rahmen genutzte Ticketarten und Fahrtverbindungen erfragt werden.

Zum Jahreswechsel 2004/2005 wurde die Bezuschussung von Tickets im Ausbildungsverkehr erheblich eingeschränkt. Grundlage für die finanziellen Einschnitte war das sogenannte Koch-/Steinbrück-Papier, in dem Sparmaßnahmen in unterschiedlichen Bereichen festgeschrieben worden waren. Zur Refinanzierung dieser Einbußen wurden mit den ASten überproportionale Preisanpassungen beim Semesterticket verabredet und mittels einer Vertragsergänzung umgesetzt. Gleichzeitig wurden die bis heute gültigen Zusatznutzen Personen- und Fahrradmitnahme eingeführt.