Wettbewerb

Wettbewerb im SPNV

Vorteile durch VRR-Fahrzeugfinanzierungsmodell

Ein funktionierender und leistungsstarker Schienenpersonennahverkehr (SPNV) ist wichtiger Baustein der Mobilität von Millionen Menschen im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Um den Nahverkehrskunden an Rhein, Ruhr und Wupper langfristig finanzierbare und attraktive Leistungen auf der Schiene bieten zu können, vergibt der VRR bereits seit 1996 Linien und Netze in europaweiten Wettbewerbsverfahren. Ergebnis ist eine deutliche Verbesserung der Qualität für die Fahrgäste insbesondere durch neue Fahrzeuge und motivierte neue Eisenbahnverkehrsunternehmen – und das zu besonders wirtschaftlichen Konditionen.

Fahrzeugfinanzierung durch Aufgabenträger
Die Teilnahme an SPNV-Wettbewerbsverfahren ist speziell für mittelständische EVU immer noch eine große Herausforderung: Moderne und komfortable Züge gehören einerseits zu den wichtigsten Qualitätsmerkmalen im Nahverkehr auf der Schiene, andererseits stellt deren Finanzierung für die Bieter eine enorme Hürde dar.

An dieser Stelle setzt der VRR mit seinem Fahrzeugfinanzierungsmodell an. Dieses sieht vor, dass der künftige Betreiber einer im Wettbewerb vergebenen Linie die benötigten Neufahrzeuge beschafft und dann an den VRR weiterveräußert. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr wird Eigentümer der Fahrzeuge, übernimmt deren Finanzierung und verpachtet sie für die Laufzeit des Verkehrsvertrages zurück an das betriebsführende EVU.

Somit tun alle Beteiligten das, was sie jeweils am besten können: Das Verkehrsunternehmen wählt die Fahrzeuge aus und kauft sie, kümmert sich um den Betrieb der Linie und übernimmt sämtliche anfallenden Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten. Der VRR als Aufgabenträger finanziert die Fahrzeuge und übernimmt das Controlling über die gesamte Vertragslaufzeit.

Pachtmodell bewährt sich
Dass das VRR-Fahrzeugfinanzierungsmodell nicht nur theoretisch eine lohnenswerte Option im SPNV-Wettbewerb ist, sondern sich auch in der Praxis bewährt, zeigen mehrere Vergabeverfahren. Der VRR hat - teilweise gemeinsam mit dem benachbarten SPNV-Aufgabenträger NWL - inzwischen über 60 Triebwagen finanziert, die ab Dezember 2013 auf der Linie RB 47, ab Dezember 2015 auf den Linien RE 7 und RB 48 und ab Dezember 2016 auf den Linien RB 33 und RB 35 des Niederrhein-Netzes von den Verkehrsunternehmen Abellio bzw. National Express eingesetzt werden. In diesen Vergabeverfahren erwies sich jeweils ein Angebot auf Basis des Fahrzeugfinanzierungsmodells als das wirtschaftlichste und erhielt letztlich den Zuschlag.

Im Rahmen der Ausschreibungen zur Haard-Achse mit den Linien RE 2 und RE 42 und zur S5/S8 wurde das optional angebotene Fahrzeugfinanzierungsmodell vom Gewinner der Ausschreibung (DB Regio) nicht genutzt. Dennoch wurde der Wettbewerb auch in diesen Verfahren gefördert, so dass der VRR letztlich von wirtschaftlich günstigen Ergebnissen profitiert. Um diese Erfolge auch zukünftig erzielen zu können, wird das Fahrzeugfinanzierungsmodell je nach Ausschreibung weiterentwickelt und angeboten.

Die Aufgabenträger in NRW haben sich im März 2011 auf einen Wettbewerbsfahrplan verständigt. Dieser sieht eine Vergabe der SPNV-Linien in Teilnetzen vor.

Linien    geplante Betriebs-aufnahme* Zugkilometer VRR
(in Mio.)
Zugkilometer gesamt
(in Mio.)
RE2 2014 2,9 3,8
RE42 (E-MS) 2014 2,9 3,8
RE42 (MG-MS) 2016 2,9 3,8
RE7 2015 1,8 4,7
RB48 2015 1,8 4,7
RB43 2015 1,6 5,6
RE1 2016 3,1 5,4
RE11 2016 3,1 5,4
RE5 2016 2,8 5,6
RE6 2016 2,8 5,6
RB32 2016 1,5 1,5
RB33 (WES-MG) 2016 1,5 1,5
RB35 2016 1,5 1,5
RE4 2016 2,6 4,3
RB33 (DU MG AC) 2016 2,6 4,3
RE17 2016 1,6 5,6
RE57 2016 1,6 5,6
RB52 2016 1,6 5,6
RB53 2016 1,6 5,6
RB54 2016 1,6 5,6
RE8, RB27  Abstimmung mit dem Land Rheinland-Pfalz & im Zusammenhang mit Infrastruktur-planungen 1 3,9
RE14, RB45 2018 0,7 1
RB38 2016 0,5 1,1
RB39 2016 0,09 0,2
RB50 2018 0,5 5,8
RB59 2018 0,5 5,8
RB69 2018 0,5 5,8
RB89 2018 0,5 5,8

*Jahreszahl steht für den Fahrwechsel im Dezember des angegebenen Jahres

Zudem werden die S-Bahnlinien S5/S8 mit einer Betriebsaufnahme in Dezember 2014 in den Wettbewerb überführt. Die anderen S-Bahnlinien (S1, S2, S3, S4, S6, S7, S9, S11) werden mit einer Betriebsaufnahme im Dezember 2019 neu vergeben.