27. März 2019

Diesel? Kann man, muss man aber nicht!

So leise wie auf Katzenpfötchen nähern sich in Oberhausen die Busse der Linien 962 oder 966 den Haltestellen. Da sie rein elektrisch betrieben werden, sind sie entsprechend leise. Andere Städte im VRR setzen auf innovative Antriebssysteme wie beispielsweise O-Busse in Solingen oder Hybridbusse. Straßen- und Stadtbahn-Linien werden bereits seit vielen Jahren mit E-Fahrzeugen betrieben. Den Nahverkehrsakteuren im VRR liegt eine umwelt- und klimafreundliche Mobilität sehr am Herzen. Deshalb unterstützen wir innovative Antriebe nach Kräften, um Emissionen zu reduzieren und die Klimabilanz des ÖPNV weiter zu verbessern. Aber: Es ist noch Luft nach oben.

Täglich sind Tausende Fahrgäste mit dem Schienenpersonennahverkehr (SPNV) über Stadtgrenzen hinweg im VRR unterwegs – und zwar überwiegend mit elektrisch betriebenen und damit lokal emissionsfreien Zügen, auf nicht elektrifizierten Strecken mit Dieselfahrzeugen. Warum also nicht auch Züge mit innovativen Antrieben ausstatten, um den Diesel im Eisenbahnverkehr nach und nach in seinen wohlverdienten Ruhestand zu verabschieden? Die Fahrzeugtechnik ist ausgereift genug, um solche Vorhaben ernsthaft in Angriff zu nehmen.

Alternative Antriebe im SPNV

Fast jeder Fahrzeughersteller hat inzwischen alternative Antriebe für einen lokal emissionsfreien Antrieb entwickelt – seien es Züge mit Brennstoffzellen (Wasserstoff) oder batterie-elektrische Fahrzeuge, die den Strom aus der Oberleitung beziehen und in Batterien zwischenspeichern. Beides sind praktikable Lösungen. Wir sind davon überzeugt: Dies ist der richtige Ansatz, um fossile Brennstoffe im Zugverkehr nach und nach abzulösen.

Wir stecken mit der Industrie und den Infrastrukturbetreibern die Köpfe zusammen und sorgen aktuell in einem europaweiten Ausschreibungsverfahren dafür, dass unsere Ideen Wirklichkeit werden. Denn solche Vorhaben gelingen am besten, wenn alle an einem Strang ziehen: Wir als Besteller von SPNV-Leistungen, die Infrastrukturbetreiber des Schienennetzes, die Industrie mit ihren Technologien und bestenfalls auch die Politik. Und zwar, indem sie die Anschaffung von Fahrzeugen weiterhin finanziell fördert und Investitionsprogramme noch stärker als bisher für die Finanzierung der speziellen Ladeinfrastruktur öffnet.

Und was können Sie als unsere Kunden zum Gelingen beitragen? Uns die Treue halten, einsteigen und fahren.

Apropos Katzenpfötchen: Ob und wie Sie Ihre Haustiere im ÖPNV mitnehmen können, erfahren Sie hier in der Servicerubrik unter Hilfe & Kontakt.

Batterie-elektrische Fahrzeuge beziehen ihren Strom aus den Oberleitungen und speichern ihn in Batterien zwischen.

Hintergrundinformation
Wäre es nicht besser, die Strecken einfach zu elektrifizieren?

Warum neue Fahrzeuge? Wäre es nicht besser, die SPNV-Strecken zu elektrifizieren? Nicht wirklich! Man muss gut abwägen, wo eine Elektrifizierung Sinn macht. Der Teufel steckt wie so oft im Detail – oder besser in Kosten und Zeit. Denn die vollständige Elektrifizierung von heutigen Dieselstrecken ist oftmals nicht wirtschaftlich. Jeder Kilometer Strecke schlägt mit mehr als einer Million Euro zu Buche – bei längeren Strecken wird es also richtig teuer. Und auch der zeitliche Aufwand ist erheblich: Fünf bis zehn Jahre vergehen im Schnitt von den Planungen und Machbarkeitsstudien bis hin zur eigentlichen Elektrifizierung. Hinzu kommt noch ein dritter Punkt – nämlich die Masse an Dieselstrecken in Deutschland. Allein im VRR sind rund 20 Prozent der SPNV-Strecken nicht elektrifiziert. Eine Vielzahl ist es in ganz Deutschland. Würde man das alles bei den langen Planungszeiten umsetzen wollen, es wäre ein Jahrhundertprogramm, das wir noch an unsere Enkel übergeben könnten.

Wibke Hinz

Von Wibke Hinz
PR-Redakteurin


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