Designentwurf der neuen batterieelektrischen Züge

14. Juli 2021

Batterieelektrische Züge für den Niederrhein und das westliche Münsterland

Mit Volldampf Richtung Verkehrswende geht es aktuell im Niederrhein-Münsterland-Netz. Ab 2025 stellen wir gemeinsam mit dem Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) den dortigen Dieselbetrieb auf lokal emissionsfreie Triebzüge um und bieten Fahrgästen zusätzliche Sitzplatzkapazitäten. Hierzu beschaffen wir 63 batterieelektrische Fahrzeuge (sogenannte BEMU) der Firma CAF (Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles, S.A.) mit Sitz im spanischen Beasain. Das Unternehmen wird die Züge nicht nur produzieren und liefern, sondern auch über ihren gesamten Lebenszyklus von rund 30 Jahren instand und verfügbar halten und ist somit für einen reibungslosen SPNV-Betrieb mit verantwortlich.

Batterieelektrische Fahrzeuge mit 120 bzw. 160 Sitzplätzen

Die Züge wurden im Rahmen eines europaweiten Vergabeverfahrens nach dem bewährten NRW-RRX-Modell  getrennt von den Betriebsleistungen beschafft. CAF liefert die Fahrzeuge vom Typ „Civity BEMU“ in zwei Größen: 15 rund 45 Meter lange Fahrzeuge mit 120 Sitzplätzen sowie 48 rund 55 Meter lange Fahrzeuge mit 160 Sitzplätzen. Für Sie bedeutet das, dass wir die Kapazitäten auf vielen Linien des Niederrhein-Münsterland-Netzes deutlich ausweiten. Das Besondere an den Zügen ist aber ihr Antrieb. Denn sie sind auch auf den Streckenabschnitten ohne Oberleitung elektrisch unterwegs. Georg Seifert, Leiter der Abteilung „SPNV – Wettbewerb, Vertragsmanagement und Planung“ beim VRR, erklärt: „Die neuen CAF-Züge sind klassische elektrische Fahrzeuge, die zusätzlich mit Batterien ausgestattet sind, um die nicht elektrifizierten Streckenabschnitte zu überbrücken. Auf den elektrifizierten Strecken entnehmen die Züge die Energie aus der Oberleitung, sowohl zum Fahren als auch zum erneuten Aufladen der Batterien.“

Folgende Linien stellen wir auf einen lokal emissionsfreien Antrieb um

Das Niederrhein-Münsterland-Netz:
Folgende Linien stellen wir auf einen lokal emissionsfreien Antrieb um

Das Niederrhein-Münsterland-Netz umfasst sieben SPNV-Linien und jährliche Verkehrsleistungen von über sechs Millionen Zugkilometern:

  • RE 10: Kleve – Geldern – Krefeld – Düsseldorf
  • RE 14: Essen – Bottrop – Dorsten – Borken / Coesfeld
  • RE 44: Kamp-Lintfort – Moers – Duisburg – Oberhausen – Bottrop 
  • RB 31: Xanten – Moers – Duisburg 
  • RB 36: Oberhausen – Duisburg-Ruhrort
  • RB 41: Geldern – Krefeld – Neuss
  • RB 43: Dortmund – Herne – Dorsten

Die Linien RE 44, RB 31 und RB 36 werden im Dezember 2025 mit neuen BEMU-Fahrzeugen den Betrieb aufnehmen, die übrigen Linien folgen sukzessive bis Dezember 2028.

Hochwertige Ausstattung für einen besseren Reisekomfort

Bei der Beschaffung der Fahrzeuge war uns die Qualität von Technik und Ausstattung besonders wichtig, um den Reisekomfort für Fahrgäste im Niederrhein-Münsterland-Netz zu verbessern. Die Züge verfügen über zwei bzw. vier großzügige Einstiegsbereiche, um einen zügigen Fahrgastwechsel zu ermöglichen. Die gepolsterten Sitze sind in Reihe bzw. vis-à-vis angeordnet und mit einem großzügigen Abstand zueinander verbaut, so wie es heute bereits in den RRX-Fahrzeugen und in den neuen S-Bahn-Zügen der Fall ist. Die räumlich getrennten Mehrzweckbereiche sind großzügig gestaltet und ermöglichen Kund*innen mit Rollstuhl, Rollator, Kinderwagen oder Fahrrad einen niveaugleichen Ein- und Ausstieg. Klapptische, Steckdosen zum Laden von Laptops, Smartphones oder Tablets sowie ein für Fahrgäste kostenloses WLAN-Netz erleichtern vor allem Pendler*innen das Arbeiten während der Fahrt.

Designentwurf des Mehrzweckbereichs der batterieelektrischen Züge

Optimierte Kosten über den gesamten Lebenszyklus der Züge

Die Ausschreibung der Fahrzeuge für das Niederrhein-Münsterland-Netz haben wir bereits im Jahr 2018 gemeinsam mit dem NWL auf den Weg gebracht. Das Vergabeverfahren wurde zunächst technologieoffen gestartet, d. h. die Fahrzeughersteller konnten sich wahlweise mit batterieelektrischen Fahrzeugen oder mit Fahrzeugen mit Brennstoffzellentechnik (Wasserstoff) beteiligen. In mehreren Verhandlungsrunden stellte sich heraus, dass aufgrund der vorhandenen Elektrifizierung im Ballungsraum in diesem Netz BEMU-Züge deutlich wirtschaftlicher zu betrieben sind. Außerdem brachten sich alle am Verfahren beteiligten Fahrzeughersteller mit zahlreichen Optimierungsvorschlägen ein. So konnte nicht nur das Verfahren erfolgreich durchgeführt, sondern auch qualitativ hochwertige Fahrzeuge beschafft und ein ausgewogenes Vertragswerk geschaffen werden. „Das NRW-RRX-Modell ist ein Ausschreibungsmodell, das Hersteller dazu motiviert, instandhaltungsfreundliche und energieeffiziente Züge zu konstruieren oder weiterzuentwickeln. Denn nicht allein der Fahrzeugkaufpreis ist in einem solchen Verfahren maßgeblich, sondern die Gesamtkosten der Fahrzeuge über ihren gesamten Lebenszyklus, also auch die Kosten für Wartung, Instandhaltung und Energie.“, betont Georg Seifert. Die Eisenbahnverkehrsunternehmen, die die Verkehrsleistungen mit den neuen Fahrzeugen auf den sieben Linien erbringen werden, werden zu einem späteren Zeitpunkt in separaten Ausschreibungsverfahren ermittelt. „Mit diesem Projekt schafft CAF den langersehnten Markteintritt auf den deutschen Markt mit unserer Regionaltriebzug-Plattform Civity. Dieses Prestigeprojekt bietet uns eine sehr gute Ausgangssituation für die Zukunft“, ergänzt Marcus Brüning, Direktor der CAF Deutschland GmbH.

Innovative Antriebe verdrängen nach und nach die Dieselzüge

Symbolbild sinkender CO2-Ausstoß

Wenn im Jahr 2028 alle batterieelektrischen CAF-Neufahrzeuge ihren Betrieb aufgenommen haben, sinkt der Anteil an Zugkilometern, die im VRR-Gebiet mit Dieselfahrzeugen geleistet werden, auf unter zehn Prozent. Eine positive Entwicklung, die uns sehr wichtig ist. Denn hiervon profitieren Menschen, Umwelt und Klima. Lokal vermeiden die 63 Züge rund 24.000 Tonnen CO2-Emissionen im Jahr. Auch die Feinstaub- und Stickoxid-Belastungen sinken und der Lärm wird reduziert. Denn die Elektrotriebwagen sind deutlich leiser unterwegs als Züge mit Dieselantrieb.

Das Niederrhein-Münsterland-Netz als Gesamtprojekt

Der nach entsprechenden Beschlüssen der politischen Gremien von VRR und NWL Anfang Juli 2021 erfolgte Zuschlag an CAF ist ein wichtiger Meilenstein im Gesamtprojekt des Niederrhein-Münsterland-Netzes. Neben der Reduzierung von Luftschadstoffemissionen stehen die Erhöhung der Kapazitäten aufgrund der gestiegenen Nachfrage, die Verbesserung der Betriebsstabilität und die Anbindung von Kamp-Lintfort an den SPNV im Fokus. Die weiteren Schritte gehen wir gemeinsam mit den beteiligten Partnern – der DB Netz AG, der DB Station&Service AG, der DB Energie GmbH, der Niederrheinbahn GmbH und dem Land NRW –, um das Streckennetz insgesamt neu auszurichten.

Gesamtprojekt weitere Details

Insbesondere der Ausbau, die Anpassung und die Modernisierung der Infrastruktur stellen eine große Herausforderung dar. Denn zum Erreichen der Ziele werden

  • die Stellwerkstechnik modernisiert,
  • Bahnsteige verlängert und für einen niveaugleichen Ein- und Ausstieg erhöht,
  • eine Oberleitungs-Inselanlage in Kleve errichtet,
  • der Bahnhof Coesfeld voraussichtlich über eine Streckenelektrifizierung bis Dülmen elektrifiziert,
  • in Geldern eine Wendeanlage für die neue Linie RB 41 errichtet und
  • Abstellanlagen erweitert und ertüchtigt.
Monitore in einem digitalen Stellwerk
Im Niederrhein-Münsterland-Netz wird die Infrastruktur modernisiert und digitale Stellwerkstechnik installiert.

Gesamtprojekt weitere Details

Um der überdurchschnittlich stark gestiegenen Fahrgastnachfrage gerecht zu werden, weiten wir mit den neuen, längeren Zügen die Sitzplatzkapazitäten aus und schaffen mit der Linie RB 41 eine zusätzliche Linie zwischen Geldern, Krefeld und Neuss. Insbesondere die Fahrgäste auf den stark nachgefragten Linien RE 10 und RB 31 werden von einem rund 25 Prozent höheren Sitzplatzangebot als heute profitieren.

Zudem wird die Strecke der Niederrheinbahn von Rheinkamp bis nach Kamp-Lintfort für den SPNV reaktiviert sowie die Stellwerkstechnik zum Anschluss an die vorhandene DB-Strecke bei Rheinkamp entsprechend angepasst, sodass ab Ende 2026 auch der Hochschulstandort Kamp-Lintfort an den Regionalverkehr angebunden wird.

Wibke Hinz

Von Wibke Hinz
PR-Redakteurin


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