Gelsenkirchen | 29. Juni 2021

Corona hat den Arbeitsrhythmus verändert

Rund ein Viertel aller Arbeitnehmer*innen werden zukünftig voraussichtlich an einigen Tagen in der Woche von Zuhause arbeiten. Vor der Pandemie waren es nur jede(r) zehnte Beschäftigte. So lautet das zentrale Ergebnis einer Untersuchung, die der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern an Rhein und Ruhr Anfang April gestartet hat, um frühzeitig Rückschlüsse für ein geändertes Mobilitätsverhalten der Menschen zu ziehen. „Wir werden schauen, ob durch die Folgen der Corona-Pandemie für die Arbeitswelt nun auch Anpassungen im Nahverkehr, und hier insbesondere bei den Abonnements, nötig werden“, sagt Ronald R.F. Lünser, VRR-Vorstandssprecher.

Studie von VRR und IHKs belegt verändertes Mobilitätsverhalten von Berufspendlern

Wie Corona das Arbeiten in der Region mittel- und langfristig verändert und welche Auswirkungen dies auf die Arbeitsmobilität hat war Gegenstand der vom VRR beauftragten und von den IHKn an Rhein und Ruhr unterstützten Studie. Fast 600 Unternehmen und Organisationen aus den wichtigsten Wirtschaftsbereichen in der Region, in denen rund 280.000 aller Arbeitnehmer*innen (rund 7,5% aller Arbeitnehmer*innen) im VRR-Gebiet beschäftigt sind, haben an der Online-Befragung teilgenommen. Besonders beliebt für das Arbeiten von Zuhause sind demnach Montag, Donnerstag und Freitag.

„Die Corona-Pandemie stellt den öffentlichen Verkehr nicht nur an Rhein und Ruhr vor große Herausforderungen“, so Lünser.  Mit der Implementierung neuer Arbeitsmodelle veränderten sich nicht nur die Mobilitätsbedürfnisse der Berufspendler*innen – auch die Häufgkeit von Dienst- und Geschäftsreisen nehme ab, mit Auswirkungen auch auf die Nachfrage in den öffentlichen Verkehrsmitteln.  

„Wir haben durch die Befragung nun ein besseres Verständnis für künftige Entwicklungen. Wenn dauerhaft mehr Menschen häufiger von Zuhause aus tätig sind, entlastet dies den ÖPNV in Spitzenzeiten“, sieht der VRR-Chef auch Chancen durch ein verändertes Nutzerverhalten.  Bei den Themen Homeoffice und mobiles Arbeiten werde geprüft, wie sich diese regional auf die Auslastung der Angebote auswirken könnte.

„Der ÖPNV auf Schiene und Straße muss auch nach der Corona-Krise das unverzichtbare Rückgrat für die Mobilität in Nordrhein-Westfalen und insbesondere hier in der Metropolregion Rhein-Ruhr bleiben“, unterstreicht Joachim Brendel für die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet. Gemeinsames Ziel des VRR und der IHKn sei es, mit einem attraktiven Verkehrs- und auf die veränderten Mobilitätsbedürfnisse angepassten Tarifangeboten an die positive Fahrgastentwicklung vor Corona anzuknüpfen und auch neue Kunden für Busse und Bahnen zu gewinnen. Das Potenzial hierfür sei groß, so Brendel, denn mehr als ein Viertel (27 Prozent) aller Wege in der Region würden aus beruflichen Gründen zurückgelegt.

„Ein starker ÖPNV ist für unsere Region unverzichtbar, um das bestehende Straßennetz zu entlasten, den oft nur schwer zu verlagernden regionalen Wirtschaftsverkehr zu sichern und um die gesteckten Klimaschutzziele im Verkehrssektor erreichen zu können“, umschreibt der für Verkehr und Infrastruktur zuständige Bereichsleiter der IHK in Gelsenkirchen das Interesse der regionalen Wirtschaft an einem leistungsstraken und attraktiven ÖPNV.

„Die aus den Untersuchungsergebnissen abzulesende Entwicklung birgt auch Gefahren“. Darauf verweist VRR-Vorstand José Luis Castrillo. Es sei zu befürchten, dass diejenigen, die jetzt mehr mit dem Auto unterwegs sind, dem ÖPNV dauerhaft den Rücken zukehren. Zudem führe die häufigere Arbeit im Homeoffice unter Umständen auch dazu, dass klassische ÖPNV-Abonnements für manche Kund*innen nicht mehr die passenden Tickets seien. „Dem ÖPNV-System fehlen somit Einnahmen, die er dringend braucht, um in den Ausbau des Angebotes investieren zu können“, bilanziert Castrillo.

Nach seiner Einschätzung lohnen sich die Abonnements in vielen Fällen aber nach wie vor, auch wenn wegen Home-Office an zwei Tagen der Weg zur Arbeit entfallen sollte. „Dennoch arbeiten wir vorausschauend bereits an neuen Tarifen, welche die neuen Arbeitsmodelle stärker berücksichtigen“, sagt der VRR-Vorstand. Mit mehr Flexibilität bei den Abonnements soll es gelingen, den ÖPNV in vielen Fällen auch zur wirtschaftlich günstigeren Alternative zum eigenen Auto zu machen. „Wir haben das klare Ziel, den Modal Split zugunsten des ÖPNV zu verändern und die Menschen für Bus und Bahn zu begeistern“, so Castrillo.

Der VRR verweist in diesem Zusammenhang auf das in Zusammenarbeit mit der Rheinbahn AG entwickelte Tarifmodell, welches zunächst Firmenkunden für eine begrenzte Zeit offeriert wird.

Bei dieser attraktiven Alternative für Beschäftigte, für die sich ein klassisches Abo nicht mehr lohnt, zahlen Nutzer*innen einen Grundbetrag von 20 EUR und erhalten dafür einen vergünstigten Preis für zwölf 24-StundenTickets über einen Zeitraum von 30 Tagen. Der Grundbetrag bleibt in allen Preisstufen gleich und wird vom Arbeitgeber eingezogen. Er kann entweder vom Mitarbeitenden selbst oder in Form eines Zuschusses durch den Arbeitgeber gezahlt werden. Unter dem Namen „FlexTicket“ ist das Angebot am 1. Juni gestartet.

Bereits heute nutzen rund 570 Unternehmen die FirmenTicket-Angebote des VRR für ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Um besonders auch kleinen und mittelständischen Unternehmen einen Anreiz zu bieten, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu ermöglichen, hat der VRR auch im Dialog mit den Industrie- und Handelskammern im Wirtschaftsraum Rhein-Ruhr die Mindestabnahmemenge bereits vor einigen Jahren von 50 auf 30 Tickets gesenkt. Pendler*innen sind zudem variabel bei der Fahrtverbindung und beim Gültigkeitsbereich der FirmenTickets und nicht mehr an die feste Verbindung zwischen Wohn- und Arbeitsort gebunden. Außerdem besteht seit November 2018 eine Steuerbefreiung für FirmenTickets. Für Arbeitgeber bietet die Ausgabe von kostenlosen FirmenTickets einen größeren Gestaltungsspielraum bei möglichen betrieblichen Zusatzleistungen.

Ein weiteres FirmenTicket Modell mit Zuschuss des Arbeitgebers gibt es seit dem Jahr 2019. Dabei erhalten FirmenTicket Abnehmer für eine finanzielle Beteiligung ihres Arbeitsgebers einen zusätzlichen Rabatt durch den VRR. FirmenTickets ermöglichen Pendler*innen eine stressfreie und sichere Fahrt zur Arbeitsstelle mit Bus und Bahn.

Fazit von VRR und IHKn:
Eine zentrale Aufgabe für die nächsten Jahre ist es, die über die Corona Zeit verlorenen Fahrgäste zurückzugewinnen und zusätzlich neue Kund*innen von Bus und Bahn zu überzeugen. Der Wirtschaftsraum Rhein-Ruhr braucht einen leistungsfähigen, attraktiven und zukunftsfähigen Nahverkehr.

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