Gelsenkirchen | 04. März 2021

Rund 60 Prozent aller Bahnhöfe sind in einem schlechten Zustand

Bereits zum 14. Mal dokumentiert der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) in seinem Stationsbericht den Zustand der Bahnhöfe und SPNV-Haltepunkte in seinem Verbundgebiet. Die Ergebnisse basieren dabei erstmals auf einem völlig neuen Bewertungssystem, das sich stärker als bisher am Bedarf der Nahverkehrskund*innen orientiert: Betrachtet wurden die Aufenthaltsqualität, die Fahrgastinformation und die Barrierefreiheit an den 294 Stationen im VRR. Bei rund 60 Prozent aller Haltepunkte fielen die Bewertungen eher negativ aus: Die VRR-Profitester stuften sie als „entwicklungsbedürftig“ bzw. „nicht tolerierbar“ ein.

Bewertung der Stationen orientiert sich am Bedarf der Fahrgäste

Wie Fahrgäste den SPNV insgesamt wahrnehmen, hängt wesentlich davon ab, in welchem Zustand die Stationen im VRR sind. Denn sie sind die Ausgangspunkte für Reisen mit Regionalexpress, Regionalbahn oder S-Bahn und vermitteln den ersten Eindruck vom Regionalverkehr. Deshalb orientiert sich die neue Bewertungssystematik stärker als in den Vorjahren am Bedarf der Nahverkehrskund*innen. „Für Fahrgäste ist es entscheidend, dass ein Haltepunkt sauber und gut ausgestattet ist, dass die Fahrgastinformationssysteme reibungslos funktionieren und dass sie barrierefrei bis zum Zug gelangen“, erklärt Ronald R.F: Lünser, Vorstandssprecher des VRR. Entsprechend bewerteten die VRR-Profitester die SPNV-Haltepunkte im Jahr 2020 in den Kategorien „Aufenthaltsqualität“, „Fahrgastinformation“ und „Barrierefreiheit“.

Ergebnisse im Detail

23 Bahnhöfe und Haltepunkte beurteilten die VRR-Profitester mit dem Prädikat „ausgezeichnet“, weitere 97 erzielten eine „ordentliche“ Gesamtbewertung. Dies entspricht rund 40 Prozent aller Stationen im VRR. Etwa 60 Prozent der SPNV-Haltepunkte schnitten negativ ab: 159 Stationen stuften die Profitester als „entwicklungsbedürftig“ ein, 15 waren aus Sicht der Prüfer „nicht tolerierbar“. Gesamtbetrachtet ist die Mehrheit der Stationen somit in einem unbefriedigenden Zustand – wobei die Gründe hierfür von Station zu Station variieren.

Vor allem die Aufenthaltsqualität führte an zahlreichen Bahnhöfen zu schlechten Bewertungen. 192 Stationen waren in einem „verbesserungswürdigen“ Zustand, weitere 29 stuften die Profitester als „unzureichend“ ein. Insbesondere Müll, Graffiti und anderweitige Verschmutzungen sowie bauliche Mängel führten zu den schlechten Ergebnissen. „Um die Situation im Interesse der Fahrgäste zu verbessern, sollten die Eisenbahninfrastrukturbetreiber die Stationen intensiver reinigen und instand halten“, so Ronald R.F. Lünser, „mögliche Optionen könnten sein, die Reinigungsintervalle zu verkürzen, Graffiti häufiger zu entfernen und Beschädigungen zügiger auszubessern.“ Die Fahrgastinformation bewerteten die Profitester überwiegend gut: Nahezu 95 Prozent der Stationen erreichten zufriedenstellende bis hervorragende Bewertungen. Hinsichtlich der Barrierefreiheit ergibt sich ein differenziertes Bild: Zwar gelangen Nahverkehrskund*innen an 60 Prozent aller Stationen stufenfrei über Aufzüge oder Rampen zu den Bahnsteigen und in die Fahrzeuge. Dennoch besteht bei den verbleibenden 40 Prozent der SPNV-Haltepunkte ein erhöhter bzw. sogar sehr hoher Handlungsbedarf. VRR-Vorstandssprecher Lünser betont: „Unser Ziel ist es, den Zustand der Verkehrsstationen in VRR fortlaufend zu verbessern. Deshalb fördern wir als Zuwendungsgeber und Bewilligungsbehörde die Modernisierung von Haltepunkten und Bahnhöfen und legen dabei einen besonderen Fokus auf den barrierefreien Ausbau.“

Leicht verbesserte Kund*innenbewertungen

Der VRR wollte auch im Jahr 2020 von seinen Fahrgästen wissen, wie sie die Situation vor Ort einschätzen. Im Vergleich zum Vorjahr waren die Befragten zufriedener und vergaben leicht bessere Noten: Den Zustand der Stationen bewerteten die Kund*innen im Durchschnitt mit einer 2,77, was einem leichten Anstieg um 0,03 Notenpunkte entspricht. Die Fahrgastinformation an den Bahnsteigen im Störungsfall bewerteten die Fahrgäste zwar auch durchschnittlich um 0,04 Notenpunkte besser als 2019, allerdings liegen die Werte mit einer 3,14 trotzdem nur auf einem befriedigenden Niveau.

Wie bereits in den Vorjahren nahmen die VRR-Profitester 2020 erneut die Beleuchtung an ausgewählten Stationen unter die Lupe und widmeten sich auch den 114 Bahnhofsgebäuden im Verbundraum. Nähere Informationen hierzu sowie zu weitere Themen rund um die Bahnhöfe und Haltepunkte im VRR finden Interessierte im Stationsbericht 2020.

Der Stationsbericht 2020 zum Download im Bürgerinformationssystem des VRR.

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