Gelsenkirchen | 02. November 2026

Deutschlandticket: Mehr Geld für Bus und Bahn statt Vertriebsbonus für die Größten

Vor der Sitzung des Koordinierungsrats zum Deutschlandticket am 5./6. November warnt der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) vor einer Schieflage bei der künftigen Vergütung des Ticketvertriebs. Ein linearer Vertriebsanreiz, der unabhängig von der Zahl der verkauften Abonnements gewährt wird, begünstigt insbesondere die großen Vertriebsunternehmen. Der VRR fordert deshalb, die Vergütung künftig mengenabhängig und gestaffelt auszugestalten.

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Bundesweit fließen derzeit jährlich mehr als 400 Millionen Euro in den Vertriebsanreiz für das Deutschlandticket. Dieses Geld wird vor der eigentlichen Einnahmenaufteilung berücksichtigt und steht damit nicht mehr für die Finanzierung der Verkehrsleistung zur Verfügung. Angesichts steigender Kosten im öffentlichen Nahverkehr muss deshalb aus Sicht des VRR darauf geachtet werden, dass der Vertrieb angemessen vergütet wird, gleichzeitig aber ein möglichst großer Anteil der Einnahmen für die Finanzierung der eigentlichen Verkehrsleistung zur Verfügung steht.

„Das Deutschlandticket darf nicht zur Gelddruckmaschine für wenige große Vertriebsplattformen werden. Natürlich muss guter Vertrieb angemessen bezahlt werden. Aber ein verkauftes Ticket wird nicht mit jedem zusätzlichen Abonnenten genauso teuer im Vertrieb. Diese Skaleneffekte müssen im System ankommen. Jeder Euro, den wir nicht für überproportionale Vertriebsanreize ausgeben, kann dazu beitragen, das eigentliche Produkt zu stärken: einen zuverlässigen und attraktiven öffentlichen Verkehr“, sagt Oliver Wittke, Vorstandssprecher des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR).

Degression statt linearer Vergütung

Der VRR stellt nicht infrage, dass der Vertrieb des Deutschlandtickets angemessen vergütet werden muss. Allerdings verursacht der Verkauf großer Ticketmengen nicht im gleichen Umfang zusätzliche Kosten. Große Vertriebsplattformen können ihre Infrastruktur für eine sehr hohe Zahl von Abonnements nutzen und dadurch Skaleneffekte erzielen. Diese Mengenvorteile sollten sich aus Sicht des VRR auch in der Vergütung widerspiegeln.

Der VRR schlägt daher eine gestaffelte Vergütung vor. Für kleinere und mittlere Verkaufsmengen würde weiterhin der volle Betrag gezahlt. Erst bei sehr hohen Verkaufszahlen würde die Vergütung für die zusätzlich verkauften Tickets schrittweise sinken.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, einzelne Unternehmen oder erfolgreiche Vertriebssysteme zu benachteiligen. Vielmehr sollen mögliche Kostenvorteile großer Vertriebe angemessen berücksichtigt werden. Wie eine solche Staffelung konkret aussehen könnte, müsste anhand der tatsächlichen Vertriebskosten festgelegt werden.

„Unser Vorschlag richtet sich nicht gegen einzelne Unternehmen. Entscheidend ist die Systematik: Je größer die Vertriebsmengen, desto wichtiger wird die Frage, ob der gleiche Anreiz für jedes weitere Ticket noch angemessen ist. Mögliche Mengenvorteile sollten nicht allein beim Vertrieb verbleiben, sondern dem Gesamtsystem Deutschlandticket zugutekommen“, so Wittke.

Mehr vom Deutschlandticket soll bei Bus und Bahn ankommen

Für den VRR geht es deshalb um die richtige Balance: Ein guter und kundenfreundlicher Vertrieb ist für den Erfolg des Deutschlandtickets wichtig. Am Ende muss aber möglichst viel von den vorhandenen Einnahmen für die Durchführung des Nahverkehrs zur Verfügung stehen.

Das gilt umso mehr, weil Verkehrsunternehmen mit steigenden Kosten für Personal, Energie und Infrastruktur konfrontiert sind. Geld, das dauerhaft für den Vertrieb gebunden wird, steht für die Finanzierung des Verkehrs nicht mehr zur Verfügung.

„Die Menschen kaufen das Deutschlandticket, um Bus und Bahn zu fahren. Ein leistungsfähiger Vertrieb ist dafür unverzichtbar, aber er ist kein Selbstzweck. Unser Ziel muss sein, möglichst viel von den vorhandenen Mitteln für einen zuverlässigen und attraktiven öffentlichen Verkehr zu sichern“, betont Wittke.

Eine gestaffelte Ausgestaltung des Vertriebsanreizes würde dabei unabhängig vom jeweiligen Anbieter gelten. Maßgeblich wäre allein die Zahl der vertriebenen Tickets. Kleine und mittlere Vertriebe würden dadurch geschützt, während bei sehr großen Verkaufsmengen mögliche Skaleneffekte berücksichtigt werden könnten.

Die künftige Ausgestaltung des Vertriebsanreizes ist Teil des neuen bundesweiten Einnahmenaufteilungsvertrags für das Deutschlandticket ab 2027. Über die Regelungen soll der Koordinierungsrat am 5./6. November 2026 beraten und entscheiden.

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Pressekontakt

Dino Niemann

Pressesprecher

Presse@vrr.de02091584418
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Sabine Tkatzik

Pressesprecherin

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Sabine Tkatzik