Wie gut sind unsere Bahnhöfe? Ein Blick in den Stationsbericht 2025
Wie gut Reisende im Schienenpersonennahverkehr ihren Weg finden, wie angenehm sie den Aufenthalt empfinden und wie reibungslos der Zugang zu den Zügen gelingt – all das entscheidet sich nicht erst im Zug, sondern bereits an den Bahnhöfen und Haltepunkten. Mit dem aktuellen Stationsbericht dokumentieren wir bereits zum 19. Mal, wie sich die Qualität der 296 Bahnhöfe in unserem Verbundraum entwickelt hat – wo es gut läuft und wo noch Handlungsbedarf besteht.
Viele profitieren – doch nicht alle gleichermaßen
Mit Blick auf die Anzahl der ein- und aussteigenden Fahrgäste zeigt sich wie bereits im Vorjahr auch 2025 ein positives Gesamtbild: Die meisten Menschen im VRR starten und beenden ihre Reise an Stationen, die hinsichtlich Aufenthaltsqualität, Fahrgastinformation und Barrierefreiheit insgesamt ausgezeichnet oder ordentlich bewertet wurden. Besonders erfreulich ist die Situation im Hinblick auf die Fahrgastinformation: Über 95 Prozent der Fahrgäste nutzen Stationen, die mit modernen und funktionierenden Informationsanlagen ausgestattet sind.
Auch die Barrierefreiheit zeigt ein weitestgehend positives Bild: Nach wie vor profitieren fast 90 Prozent der SPNV-Kund:innen von stufenfreien Zugängen zu den Bahnsteigen und Bahnsteighöhen von mindestens 76 Zentimetern, die einen komfortablen Zugang in die Regionalverkehrszüge ermöglichen – entweder direkt niveaugleich oder über Rampen an den Fahrzeugen. Etwa die Hälfte der Fahrgäste nutzt Stationen, an denen ein taktiles Leitsystem zur Verfügung steht, das vor allem blinden und sehbehinderten Menschen Orientierung bietet.
Dennoch gibt es Bereiche, die weiterhin herausfordern: So ist die Aufenthaltsqualität im Verhältnis zu den Ein- und Aussteigerzahlen nur für 36,5 Prozent der Fahrgäste auf einem sehr guten oder zufriedenstellenden Niveau.
Die Gesamtbilanz fällt trotzdem positiv aus. Über 76 Prozent und damit mehr als drei Viertel aller Fahrgäste nutzen Stationen, die von den VRR-Profitester:innen positiv bewertet wurden. Dies sind in der Regel besonders viel frequentierte Großbahnhöfe.
Diese Entwicklung freut VRR-Vorstandssprecher Oliver Wittke: „Die Qualität der Stationen ist für unsere Fahrgäste ein entscheidender Faktor. Sie prägt den ersten Eindruck vom Schienenpersonennahverkehr und beeinflusst, wie wohl sich die Menschen fühlen.“ Mit Blick auf die Bewertungen der VRR-Profitester:innen ergänzt er: „Die Zahlen zeigen sehr klar: Dort, wo in den vergangenen Jahren konsequent investiert wurde, kommen diese Verbesserungen auch bei den Menschen an.“
Barrierefreiheit: Fortschritte, die ankommen
Die Investitionen der Eisenbahninfrastrukturbetreiber zahlen sich insbesondere im Hinblick auf die Barrierefreiheit sichtbar aus. Sieben größere Modernisierungsvorhaben wurden 2025 abgeschlossen – mit positivem Effekt: Der Anteil der Stationen, die stufenfrei erreichbar sind und eine ausreichende Bahnsteighöhe haben, stieg um 2,5 Prozentpunkte auf 68,4 Prozent und damit erneut leicht im Vergleich zum Vorjahr.
Oliver Wittke bringt den Anspruch klar auf den Punkt: „Barrierefreiheit ist kein Komfortmerkmal, sondern eine Voraussetzung für echte Teilhabe. Wenn mobilitätseingeschränkte Personen genauso wie ältere Menschen, Fahrgäste mit Rollstuhl oder Rollator, Familien mit Kinderwagen oder Reisende mit schwerem Gepäck sicher und selbstbestimmt mit RE, RB, und S-Bahn unterwegs sein können, dann wird der Regionalverkehr zu einer Verkehrsoption für alle.“
DB InfraGO in der Pflicht: kleine und mittlere Stationen stärker in den Fokus nehmen
Trotz positiver Trends bleibt die Situation vor allem an vielen kleineren und mittleren Bahnhöfen angespannt. Zwar zeigt sich eine minimale Verbesserung, doch mit 52,4 Prozent positiv bewerteter Stationen in diesem Segment bleibt der Aufholbedarf groß. Besonders kritisch: Die Anzahl der als „nicht tolerierbar“ eingestuften Stationen steigt weiter – von 11 im Jahr 2024 auf 15 im Jahr 2025.
VRR-Vorstandssprecher Oliver Wittke formuliert klare Erwartungen an den verantwortlichen Eisenbahninfrastrukturbetreiber: „Wir erwarten gerade hier von DB InfraGO, dass sie besonders dort nachbessern, wo die Qualität seit Jahren nicht ausreicht. Jede Station muss einen verlässlich hohen Standard erfüllen – unabhängig davon, wie viele Fahrgäste dort täglich unterwegs sind.“
Tops und Flops: Die besten und die schwächsten Stationen im VRR
Im Stationsbericht 2025 richten wir den Blick erstmals auch auf die drei Stationen, die besonders positiv auffielen – und auf jene drei, die deutlich hinterherhinken. Grundlage dieser Einordnung sind die aktuellen Bewertungsergebnisse der VRR-Profitester:innen, die Entwicklungen im Jahresvergleich sowie die Bedeutung der Stationen für die Fahrgäste des SPNV.
An der Spitze stehen Herne-Wanne-Eickel Hbf, Essen Zollverein und Xanten. Sie zeigen, dass Investitionen in eine moderne und zeitgemäße Ausstattung, in die Barrierefreiheit und auch in funktionstüchtige Fahrgastinformationsanlagen messbare Wirkung haben und dafür sorgen, dass Fahrgäste sich wohl fühlen.
Schlusslichter sind die Stationen Hattingen Mitte, Essen West und Oberhausen Hbf. Die Defizite an diesen Stationen – von fehlender Aufenthaltsqualität bis hin zu strukturellen Schwachstellen – verdeutlichen, wo kurzfristig gehandelt werden muss. Insbesondere Müll, Verschmutzungen, Geruchsbelästigungen, Graffiti und weitere Schäden führten dazu, dass die drei Haltepunkte schlecht abschnitten.
Der Vergleich zeigt sehr klar, wie unterschiedlich die Qualität an den Stationen im Verbundraum nach wie vor ausfällt. Und er macht deutlich, wie wichtig es ist, dass sich die Eisenbahninfrastrukturbetreiber für eine bestmögliche Qualität der Bahnhöfe und Haltepunkte engagieren.
Beleuchtung an Stationen: Sicherheit im Blick
Wie in den Vorjahren untersuchten die VRR-Profitester:innen im Zeitraum Oktober bis Dezember die Beleuchtung an ausgewählten Stationen. Ziel ist es, Schwachstellen zu erkennen, die das subjektive Sicherheitsempfinden beeinflussen oder Gefahren begünstigen könnten. An 50 Prozent der betrachteten Stationen gab es zwar defekte Leuchten, allerdings meist nur vereinzelt und über die Station verteilt. Dadurch blieb die Gesamtausleuchtung in der Regel ausreichend. Positiv vermerkten die Profitester:innen, dass der Anteil der Stationen mit Beleuchtungsdefiziten im Vergleich zum Vorjahr deutlich um acht Prozent sank.
Bahnhofsgebäude: Viel privates Eigentum
Der Bericht liefert zudem Einblicke in die 115 Bahnhofsgebäude im Verbundraum. Bemerkenswert ist, dass inzwischen mehr als die Hälfte aller Immobilien in privatem Besitz ist und nur noch teilweise eine Funktion für Fahrgäste bieten – etwa durch Einkaufsmöglichkeiten für Reisende.
Der Trend zeigt jedoch: Immer mehr privat betriebene Bahnhofsgebäude haben für SPNV-Kund:innen keinen verkehrlichen Nutzen mehr. Viele werden inzwischen in Restaurants, Geschäfts- oder Wohnräume sowie in kulturelle Einrichtungen umgewandelt.
2025 hatten noch 85 Prozent der Gebäude (96 Immobilien) einen privaten, öffentlichen, kommerziellen oder verkehrlichen Nutzen. Vier Gebäude konnten wegen umfangreicher Bauarbeiten nicht bewertet werden, 15 standen leer. Wünschenswert wäre, dass auch diese Immobilien künftig wieder stärker für Mobilitätszwecke genutzt werden könnten.
Mehr erfahren: Der Stationsbericht 2025 in Detail
Wer sich genauer informieren möchte, wie es um die Stationen im VRR bestellt ist, findet im Stationsbericht 2025 eine fundierte und gut aufbereitete Grundlage. Der Bericht sowie die diversen Anlagen bieten nicht nur einen Gesamtüberblick über den Zustand aller 296 Bahnhöfe und Haltepunkte, sondern informieren detailliert über die Beleuchtung an den Stationen, die Bahnhofsgebäude, die Zuständigkeiten an den Zugangsbereichen, die wichtigsten Modernisierungsvorhaben, die Ergebnisse der Kundenbefragung, die Fahrgastinformation, das Thema Videoüberwachung und den Ticketvertrieb im SPNV. Damit richtet sich der Stationsbericht an all jene, die sich intensiver mit der Bahnhofsinfrastruktur im Verbundraum beschäftigen möchten – von kommunalen Akteur:innen bis hin zu mobilitätsaffinen Bürger:innen. Er zeigt transparent, wo Stärken liegen, welche Entwicklungen angestoßen wurden und an welchen Stellen weiterer Handlungsbedarf besteht.
Jetzt Stationsbericht 2025 im Gremieninformationssystem öffnen!