06. Juli 2021

Neue Serie zur ÖPNV-Investitionsförderung beim VRR

Eine leistungsstarke Infrastruktur sowie moderne Betriebseinrichtungen, Services und Fahrzeuge sind für einen attraktiven, sicheren und modernen ÖPNV unerlässlich. Deshalb unterstützen wir ÖPNV-Investitionen, die der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in unserem Verbundraum dienen und so einen wichtigen Beitrag zu einer Mobilitätswende leisten. Die Bandbreite an Fördermöglichkeiten ist groß – entsprechend vielfältig sind die Investitionsvorhaben und Projekte, die wir unterstützen. In der Rubrik „VRR“ unseres Magazins möchten wir Ihnen zukünftig besondere Projekte und Erfolgsstorys aus der ÖPNV-Investitionsförderung vorstellen. Heute zeigen wir Ihnen, warum Park+Ride (P+R) ein wichtiger Baustein einer erfolgreichen Verkehrswende ist und werfen dabei einen Blick auf die neue P+R-Anlage in Marl-Sinsen.

Wie schaffen wir es, mehr Verkehr vom eigenen Pkw auf den ÖPNV zu verlagern?

Eine wichtige Frage in einem polyzentrischen Ballungsraum wie dem VRR, in dem täglich Hundertausende mit dem eigenen Pkw unterwegs sind, Staus die Straßen verstopfen und Innenstädte unter der Last des Autoverkehrs ächzen. Park+Ride kann einen effektiven Beitrag leisten, den Individualverkehr und die daraus resultierenden Verkehrsprobleme und -überlastungen zu reduzieren. Deshalb stärken wir bereits seit vielen Jahren das P+R-Angebot in der Region und fördern als Zuwendungsgeber für ÖPNV-Investitionsvorhaben nach § 12 des ÖPNV-Gesetzes NRW und als Bewilligungsbehörde für Maßnahmen im besonderen Landesinteresse nach § 13 ÖPNVG NRW den Neu- und Ausbau entsprechender Anlagen. Interessant ist dies vor allem für Kommunen und Verkehrsunternehmen, die mit P+R-Anlagen im Umland großer Einpendlerstädte – also gewissermaßen an der Verkehrsquelle – dafür sorgen, dass mehr Menschen vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen können.

1,5 Millionen Euro Fördermittel für eine bessere Vernetzung von ÖV und IV

Die Stadt-Marl ist eine solche Kommune, aus der viele Menschen in die größeren Städte der Region pendeln, um dort zu arbeiten, zu studieren oder eine Ausbildung zu machen. Von der Station Marl-Sinsen können Pendler*innen in etwa 30 bis 40 Minuten mit der SPNV-Linie RE 42 im Halbstundentakt Essen und die Universitätsstadt Münster erreichen und so den täglichen Staus auf Straßen und Autobahnen entgehen. Die ursprüngliche Parksituation am Bahnhof war jedoch nicht zufriedenstellend. Aus diesem Grund hat die Stadt Marl dort zwei neue Anlagen mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 1,56 Millionen Euro errichtet. Der VRR hat den Neubau mit Zuwendungen in Höhe von rund 1,46 Millionen Euro gefördert – und übernimmt damit den Löwenanteil der Kosten.

Die Park+Ride-Anlage in Marl-Sinsen im Detail

Fahrgäste profitieren am Bahnhof Marl-Sinsen heute von gleich zwei P+R-Plätzen, die Anlage wurde also nicht nur baulich erweitert, sondern bietet auch deutlich größere Kapazitäten als zuvor. Direkt am Hauptzugang zum Bahnhof, an der Bahnhofstraße, stehen den Nahverkehrskund*innen nun 50 Stellplätze zur Verfügung. Die vorhandene Radstation und die Bushaltestelle wurden in die Anlage integriert. Auch die Verkehrsführung wurde verändert, denn hier gab es vor dem Ausbau der Anlage immer wieder Konflikte zwischen Fußgänger*innen und dem Pkw-Verkehr. Die Ein- und Ausfahrt wurde verlegt, sodass Passant*innen nun unabhängig vom Autoverkehr jederzeit sicher vom Pkw zur Station gelangen können. Vier der neuen Stellplätze sind als Behindertenstellplätze ausgewiesen, um auch mobilitätseingeschränkten Fahrgästen den Zugang zum SPNV zu erleichtern.
An der Gräwenkolkstraße hat die Stadt Marl eine neue P+R-Anlage mit 158 Stellplätzen gebaut, zwei davon für Menschen mit Behinderung. Damit wird die vorhandene Anlage um 98 Parkplätze erweitert. Den Pendler*innen stehen somit auf beiden Anlagen insgesamt 208 Stellflächen zur Verfügung.

Nachgefragt bei Udo Lutz von der Stadt Marl

Wir wollten wissen, warum sich die Stadt Marl dazu entschieden hat, die Park+Ride-Anlage am Bahnhof Marl-Sinsen umzugestalten. Hierzu haben wir Udo Lutz vom Amt für Stadtplanung und integrierte Quartiersentwicklung, Sachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrstechnik befragt.

Interview Udo Lutz


Was hat Sie dazu bewogen, die P+R-Anlage am Bahnhof Marl-Sinsen zu modernisieren bzw. auszubauen? Wovon profitieren die Nutzer*innen der Anlage heute?

Udo Lutz:

Die P+R-Anlage am Bahnhof Marl-Sinsen war in die Jahre gekommen und wies bauliche Mängel auf. Darüber hinaus gab es funktionale Probleme, weil sich in der Zufahrt zur Anlage Autofahrer und Bahnkunden in die Quere kamen, die zu Fuß oder per Fahrrad unterwegs waren. Diese Verkehrsströme haben wir mit geeigneten baulichen und gestalterischen Maßnahmen entflochten. Außerdem haben wir die vorhandene Busbucht zu einem Buskap umgestaltet und somit großzügige Aufenthaltsflächen im Gehwegbereich angeboten. Nicht zuletzt konnte eine dynamische Fahrgastinformation mit den Fahrzeiten der Busse und Zugverbindungen installiert und somit die An- und Abfahrtsituation der Linienbusse auf der Bahnhofstraße deutlich komfortabler und sicherer gestaltet werden. Die Benutzung der Linienbusse ist nun barrierefrei möglich. Im Sommer 2021 werden unmittelbar vor der Radstation und auf der rückwärtigen Seite des Bahnhofs noch Fahrradboxen des Programms „Dein Radschloss“ ergänzt, um auch außerhalb der Öffnungszeiten der Radstation sowie an Sonn- und Feiertagen sichere Einstellmöglichkeiten zu bieten. Auch diese Baumaßnahme konnte dank einer großzügigen Förderung des VRR verwirklicht werden.


Welche Bedeutung hat die Förderung durch den VRR für den Erfolg des Projektes?

Udo Lutz:

Wir verstehen die Fördermöglichkeiten des VRR als Anschubfinanzierung und Schlüssel für die Stärkung des Umweltverbundes und zur Verbesserung der Verkehrssicherheit vor allem für Fußgänger und Radfahrer. Dies hat erfreulicher Weise häufig Nachfolgeinvestitionen und -wirkungen zur Folge. So konnte z. B. am Bahnhof Marl-Sinsen neben der Radstation eine Info-Stele des RVR eingerichtet werden, die auf die Wander- und Freizeitmöglichkeiten des „Hohe-Mark-Steigs“ hinweist im unmittelbar benachbarten Waldgebiet der Haard. Ebenso wurde ein neuer Wander- und Radwanderrundkurs im Ortsteil Sinsen-Lenkerbeck eingerichtet, der mit einer weiteren Info-Stele neben der Radstation beworben wird. In der zweiten Jahreshälfte 2021 wird die Deutsche Bahn den Bahnhof Marl-Sinsen sanieren und barrierefrei ausbauen. Wir setzen darauf, dass die bauliche und gestalterische Aufwertung der Flächen im Bereich des Bahnhofs Marl-Sinsen die Wertschätzung des ÖPNV verstärkt und der Umstieg auf die Verkehrsmittel des Umweltverbundes erleichtert. Die Verkehrswende hat auch in Marl begonnen!

P+R-Anlage stärkt den Umweltverbund

Behindertenstellplätze, im Hintergrund eine Bushaltestelle
Die Bushaltestelle wurde in die Anlage integriert.

Andreas Runge, Fachgruppenleiter für die Investitionsförderung Westfalen im VRR, verweist auf die Bedeutung der P+R-Anlage am Bahnhof Marl-Sinsen als Verknüpfungspunkt für die verschiedenen Verkehrsmittel: „Die Stadt Marl hat an der Station einen städtebaulich sehr attraktiven Zugang zum SPNV geschaffen. Fahrgäste können ihr Auto abstellen und auf den Regionalverkehr umsteigen. Und auch die Kombination von Fahrrad, Bus und Zug gelingt hier ausgesprochen gut, weil die vorhandene Radstation und die Bushaltestelle mit eingebunden wurden. Mit dem neu gestalteten Verknüpfungspunkt stärkt die Stadt Marl den Umweltverbund in ihrem Stadtgebiet und fördert damit die Verkehrswende im VRR.“

Möchten Sie mehr erfahren?

Der VRR fördert den Aus- und Neubau von Park+Ride-Anlagen und die Ausstattung mit technischen Systemen, die die Auslastung der Parkplätze in Echtzeit erfassen und in die digitalen Auskunftssysteme des VRR übertragen. So können sich Reisende jederzeit darüber informieren, wo es freie Stellplätze gibt.

In einer neuen Broschüre informiert der VRR über das Förderwesen in seinem Verkehrsgebiet, stellt ausgewählte Projekte vor und informiert über die richtigen Ansprechpartner für die jeweiligen Fördervorhaben.

Jetzt klicken und informieren!

Wibke Hinz

Von Wibke Hinz
PR-Redakteurin


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