28. Juni 2021

NRW-Mobilitätsforum 2021: Expert*innen diskutieren über nachhaltigen und zukunftsfähigen Nahverkehr

Wie entwickelt sich der Öffentliche Personennahverkehr in einer Zeit, die durch die Corona-Pandemie geprägt ist? Wie steht es im „Europäischen Jahr der Schiene“ um den Regionalverkehr in NRW? Was müssen wir tun, um die Verkehrswende weiter zu fördern? Und inwieweit können digitale Technologien hierzu einen Beitrag leisten? Beim zweiten NRW-Mobilitätsforum widmeten sich Expert*innen aus Nahverkehr, Wirtschaft und Forschung dem ÖPNV der Zukunft und diskutierten über Herausforderungen und Chancen.

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Die gemeinsame Veranstaltung der drei nordrhein-westfälischen Aufgabenträger Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und Nahverkehr Rheinland (NVR) fand am 23. Juni 2021 bereits zum zweiten Mal statt – diesmal Corona bedingt als Digital-Event live aus der Jahrhunderthalle in Bochum. In Vorträgen und Diskussionsrunden widmeten sich die Anwesenden den verschiedenen Schwerpunktthemen und teilweise hatten sich knapp 500 Teilnehmer*innen digital zugeschaltet.

Mobilitätswende in Zeiten von Corona

Nach der Begrüßung durch den Oberbürgermeister der Stadt Bochum Thomas Eiskirch und Erik O. Schulz, den Verbandsvorsteher des ZV VRR, Vorsitzenden des VRR-Verwaltungsrates und Oberbürgermeister der Stadt Hagen, ging es in Impulsvorträgen und Podiumsdiskussionen um die Frage, wie sich die Pandemie auf die Mobilitätswende auswirkt. VRR-Vorstandssprecher Ronald R.F. Lünser, NWL-Geschäftsführer Joachim Künzel und NVR-Geschäftsführer Dr. Norbert Reinkober diskutierten mit NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst. Auch unter dem Eindruck der Pandemie wissen alle Akteure um die Bedeutung des Nahverkehrs für eine erfolgreiche Verkehrswende, verwiesen jedoch auf die enormen Belastungen, die Corona für die gesamte Branche und insbesondere für Verkehrsunternehmen mit sich bringt.

Bund und Land unterstützen Verkehrswende

Ingo Kollosche, Forschungsleiter Zukunftsforschung IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung

Minister Wüst erklärte, dass die gesamte Branche in ihrem Bemühen um die Verkehrswende durch die Pandemie zurückgeworfen worden sei, dass mit finanzieller Unterstützung durch die Politik das Mobilitätsangebot abseits des Autos aber weiterentwickelt werden soll. Die Aufgabenträger betonten, dass insbesondere der Rad- und Fußverkehr durch Corona gestärkt wurde. Hier gelte es, mit einer weiteren Vernetzung der unterschiedlichen Verkehrsträger und einer Stärkung des Umweltverbundes mit Bus und Bahn als verkehrlichem Rückgrat die Mobilitätswende weiter zu verfolgen. Verkehrsminister Hendrik Wüst verwies auf den ÖPNV-Rettungsschirm als Unterstützung und betonte, dass der Bund auch für dieses Jahr seine Hilfe zugesichert habe. 227 Millionen Euro werden in die Branche fließen. Wer die Verkehrswende wolle, müsse weiter unterstützen. Und es gäbe auch Gespräche mit dem Bund, die Hilfen zu verstetigen. Auch VRR-Vorstandssprecher Lünser betonte, dass die Finanzierungssicherheit unerlässlich sei, um die Infrastruktur weiter auszubauen und auch den Betrieb langfristig zu sichern. Alle Anwesenden würdigten die konstruktive Zusammenarbeit der NRW-Aufgabenträger im Bemühen um die Verkehrswende.

Wertvolle Impulse kamen von Ingo Kollosche, dem Forschungsleiter des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, der sich dafür stark machte, den Mensch mit seinen Bedürfnissen bei der Mobilitätsplanung noch stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Nach seiner Ansicht ist Mobilität immer ein Spiegel der Gesellschaft, weil sie mit allen gesellschaftlichen Bereichen verknüpft sei. Auch für ihn ist der ÖPNV Dreh- und Angelpunkt einer erfolgreichen Verkehrswende.

Das Jahr der Schiene 2021 – Quo vadis?

Im Folgenden beleuchtete die Veranstaltung unter dem Motto „Jahr der Schiene – Quo vadis?“ den Schienenpersonennahverkehr aus unterschiedlichen Perspektiven und Richtungen. Georg Seifert, Abteilungsleiter SPNV Wettbewerb/Vertragsmanagement/Planung beim VRR, referierte aus Sicht der Aufgabenträger. Nach einem kurzen Rückblick auf die Entwicklung des SPNV seit der Regionalisierung widmete er sich der Bedeutung des Wettbewerbs für ein attraktives Marktumfeld und einen leistungsstarken SPNV mit modernen Fahrzeugen und einem attraktiven Nahverkehrsangebot. Zudem betonte er, wie wichtig eine funktionstüchtige und ausreichend dimensionierte Infrastruktur ist, um weitere Verbesserungen oder Verkehrsausweitungen überhaupt realisieren zu können. Vor diesem Hintergrund verwies er auf die zahlreichen Baustellen im Eisenbahnnetz, die die Mobilität der Menschen immer wieder einschränken. Hier seien ein effizientes Baustellenmanagement und eine gute Kommunikation mit den Fahrgästen wichtig. Perspektivisch möchten die Aufgabenträger das SPNV-Angebot weiterentwickeln, hin zu einem Zielnetz 2032/2040, das Takt- und deutliche Angebotsverbesserungen vorsieht. Verbunden hiermit forderten die Aufgabenträger, spätestens nach der Bundestagswahl müsse es konkrete Grundlagen für die Ziele im SPNV geben: Planungssicherheit und Finanzierungsgrundlagen für eine Verkehrswende im SPNV. Georg Seifert betonte, alle drei NRW-Aufgabenträger seien bereit, gemeinsam die Erfolgsgeschichte im SPNV fortzuführen und einen wichtigen Beitrag zur Mobilitätswende und zum Klimaschutz in NRW zu leisten – aber die Rahmenbedingungen müssten dies zulassen.

Im Anschluss skizzierte Dr. Matthias Stoffregen, Geschäftsführer von Mofair, die Ansichten der Betreiber von Mobilitätsdienstleistungen. Bernd Köppel, Leiter Infrastrukturprojekte West, DB Netz AG, erläuterte den Blickwinkel der Infrastrukturbetreiber. In einem Gastvortrag widmete sich Autor und Blogger Bernhard Knierim dem Thema Mobilitätswende. Er fokussierte dabei auf eine sogenannte „3V-Verkehrspolitik“, die von einem „Vermeiden“, „Verlagern“ und „Verbessern“ geprägt sein müsse. In der anschließenden Diskussion wurde schnell offensichtlich, dass Infrastruktur und Finanzen die größten Probleme sind, mit denen der SPNV in den nächsten Jahren konfrontiert sein wird. Auch die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal definierten die anwesenden Expert*innen als limitierenden Faktor. VRR-Vorstandsprecher Ronald R.F. Lünser betonte: „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im SPNV haben sich sehr verschoben. Baustellenfolgekosten und beispielsweise auch Personal- und Ausbildungskosten belasten die Unternehmen sehr. Deshalb müssen wir die Verkehrsverträge auf neue Füße stellen. Dinge, die sich in den letzten Jahren verändert haben, müssen dort Niederschlag finden.“

Digitale Projekte für die Zukunft

Abschließend widmete sich das NRW-Mobilitätsforum den Digitalen Projekten der Zukunft. Dr. Maximilian Müller, Leiter des beim VRR angesiedelten Kompetenzcenters Digitalisierung NRW (KCD), stellte das geplante Informations- und Ticketingsysteme mit Check-in/Be-out-Funktion (CiBo) vor, das im Öffentlichen Personennahverkehr eine neue elektronische Tarifgenerationen ermöglichen wird. Einen solchen neuen NRW-weiten eTarif treiben die NRW-Aufgabenträger derzeit gemeinsam mit dem Land nach vorne. Eduard Rollmann, Leiter Kompetenzcenter Marketing NRW (KCM), informierte die Teilnehmer*innen über den aktuellen Stand der Tarifentwicklung. Katja Nowak-Müller, Leiterin der Stabsstelle Strategie/Innovation & Digitale Entwicklung beim NWL, ordnete in ihrem abschließenden Impulsvortrag die Bedeutung der Digitalisierung für den Nahverkehr in NRW ein. Aus ihrer Sicht ist sie kein Selbstzweck, sondern hilft, zu vernetzen und den ÖPNV flexibler und einfacher zu gestalten. Sie schaffe grenzenlose Möglichkeiten, was wiederum dazu führe, dass eine Verkehrswende nie „erreicht“ werden könne. Vielmehr sei sie ein Prozess, bei dem es darauf ankommt, Ziele immer wieder neu zu formulieren, um im Interesse der Fahrgäste und von Klima und Umwelt Bestmögliches zu erreichen. VRR-Vorstand Josè Luis Castrillo betonte in der abschließenden Diskussion, dass Digitalisierung weit mehr sei, als nur eine App: „Sie bietet an vielen Stellen die Möglichkeit, den Zugang zum ÖPNV zu vereinfachen, Hintergrundsysteme zu vereinheitlichen und die verschiedenen Verkehrsträger zu vernetzten. Wir sind gemeinsam mit unseren Partner*innen in NRW auf einem sehr guten Weg.“

Ein Blick hinter die Kulissen:

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Video

Auf der Website des Mobilitätsforums finden Sie darüber hinaus die Vorträge aller Expert*innen!

Klicken und Website aufrufen! 

... oder die gesamte Veranstaltung nochmal auf YouTube ansehen!

Wibke Hinz

Von Wibke Hinz
PR-Redakteurin


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