Niederrhein-Münsterland-Netz

Im VRR wurde ein weiterer Meilenstein in Richtung Verkehrswende erreicht: Im Rahmen der Neuausschreibung der Regionalexpress- und Regionalbahn-Linien des Niederrhein-Münsterland-Netzes setzen wir ganz auf einen nachhaltigen Betrieb. Denn ab 2025 stellen wir den heutigen Dieselbetrieb auf den Linien sukzessive auf lokal emissionsfreie, klimaschonende Triebzüge um. Die dafür bestellten 63 batterie-elektrischen Fahrzeuge (sogenannte BEMU) der spanischen Firma CAF (Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles, S. A.) bieten den Fahrgästen mehr Komfort und zusätzliche Sitzplatzkapazitäten. Für den Einsatz der neuen Fahrzeuge mit alternativer Antriebsform sind verschiedene Infrastrukturmaßnahmen erforderlich, u. a. Modernisierung und Ausbau von zahlreichen Bahnhöfen und Stationen.

Zwei CAF Züge fahren auf Gleisen nebeneinander

Fahrzeuge

Grünes Licht für innovative, batterie-elektrische Züge

Bei der Beschaffung der Züge für das Niederrhein-Münsterland-Netz in einem europaweiten Vergabeverfahren nutzten wir das bewährte NRW-RRX-Modell. Das heißt, die Ausschreibung von Produktion, Lieferung und Instandhaltung über den Lebenszyklus der Fahrzeuge erfolgt getrennt von den Ausschreibungen der Betriebsleistungen auf den Linien des Netzes.

Aus der Ausschreibung für die Fahrzeuge des Niederrhein-Münsterland-Netzes ging CAF im Juli 2021 als Gewinner hervor. Das Unternehmen liefert die 63 Züge vom Typ "Civity BEMU" in zwei Größen: 15 rund 45 Meter lange Fahrzeuge mit 120 Sitzplätzen und 48 rund 55 Meter lange Fahrzeuge mit 160 Sitzplätzen. CAF wird die Züge allerdings nicht nur herstellen und liefern. Das Unternehmen wird sie auch über ihren gesamten Lebenszyklus instand und verfügbar halten – und so zu einem reibungslosen Betrieb mit beitragen.

Durch den Einsatz der neuen Züge weiten wir die Kapazitäten auf vielen Linien des Niederrhein-Münsterland-Netzes deutlich aus. Darüber hinaus werden die hochwertig ausgestatteten Fahrzeuge den Reisekomfort für die Fahrgäste spürbar erhöhen.

So verfügen die Züge u. a. über

  • zwei bzw. vier großzügige Einstiegsbereiche für einen schnellen, bequemen Fahrgastwechsel,
  • gepolsterte Sitze in Reihe bzw. vis-á-vis angeordnet und mit großzügigem Abstand zueinander,
  •  räumlich getrennte Mehrzweckbereiche mit viel Platz für Fahrgäste mit Rollstuhl, Rollator, Kinderwagen oder Fahrrad,
  • Klapptische und Steckdosen zum Laden von Laptops, Smartphones oder Tablets sowie
  • ein kostenloses WLAN-Netz, das insbesondere Pendler*innen das Arbeiten unterwegs erleichtert.

Der besondere Clou an den Zügen ist jedoch ihr innovativer Antrieb. Denn es handelt sich um klassische elektrische Fahrzeuge, die auch auf Streckenabschnitten ohne Oberleitung fahren können. Dazu sind sie zusätzlich mit Batterien ausgestattet, um nicht elektrifizierte Streckenabschnitte zu überbrücken. Auf den elektrifizierten Strecken entnehmen die Fahrzeuge den Strom aus der Oberleitung – zum Fahren genauso wie zum Wiederaufladen der Batterien.

Die Reichweitenanforderungen an die Fahrzeuge sind je nach Netz seitens des VRR unterschiedlich definiert worden und orientieren sich an den netzspezifischen Anforderungen und dem Anteil der elektrifizierten Strecke und Ladeinfrastruktur zuzüglich einer ausreichenden Reserve.

Für das Teilnetz 1 (RE10 und RB37) beträgt die Reichweite 220 Kilometer mit einer Nachlademöglichkeit für 10 Minuten nach einer Strecke von 110 Kilometern. Hier ist eine Nachladestation in Kleve geplant.

Für das Teilnetz 2 (RE14, RB31, RB43, RE44, RB36) beträgt die Reichweite 90 Kilometer für die Fahrzeuge auf dem RE14, RB36 sowie RB43 und 65 Kilometer für die Fahrzeuge der RB31 und RE44. Ein Umbau zwischen beiden Reichweitetypen muss innerhalb von 6 Stunden möglich sein.

Um betrieblich flexibel zu sein, können die Fahrzeuge auch an das jeweilige andere Teilnetz angepasst werden.

Liniennetz

Das Liniennetz des Niederrhein-Münsterland-Netzes

Ein für die Verkehrswende wegweisendes Netz mit sieben SPNV-Linien

Das Netz umfasst sieben SPNV-Linien mit einer jährlichen Verkehrsleistung von insgesamt über sechs Millionen Zugkilometern:

  • Niers-Express RE 10: Kleve – Geldern – Krefeld – Düsseldorf
     
  • Emscher-Münsterland-Express RE 14: Essen – Bottrop – Dorsten – Borken/Coesfeld
     
  • Fossa-Emscher-Express RE 44: Kamp-Lintfort – Moers – Duisburg – Oberhausen – Bottrop
     
  • Der Niederrheiner RB 31: Xanten – Moers – Duisburg
     
  • Ruhrort-Bahn RB 36: Oberhausen – Duisburg-Ruhrort
     
  • Niers-Erft-Bahn RB 37: Geldern – Krefeld – Neuss
     
  • Emschertalbahn RB 43: Dortmund – Herne – Dorsten

Auf den Linien RE 44, RB 31 und RB 36 wird die Betriebsaufnahme bereits im Dezember 2025 erfolgen, auf der Linie RE 14 im Dezember 2026. Im Dezember 2027 folgt dann die Linie RB 37 sowie im Dezember 2028 die Linien RE 10 und  RB 43. Jeweils ab Betriebsaufnahme werden auf den entsprechenden Linien die neuen, klimaschonenden BEMU-Fahrzeugen unterwegs sein. Damit setzen wir weitere Meilensteine auf dem Weg zur Verkehrswende – zum Vorteil von Umwelt und Klima.

Infrastruktur

Gezielte Optimierung der Schieneninfrastruktur

Mit der Ablösung der Dieselfahrzeuge durch batterie-elektrische Züge wollen wir nicht nur die Luftschadstoffemissionen im Niederrhein-Münsterland-Netz reduzieren. Die neuen Fahrzeuge sollen auch die Kapazitäten erhöhen, um den auf einigen Linien des Netzes stark gestiegenen Fahrgastzahlen gerecht zu werden, sowie die Betriebsstabilität verbessern. Notwendig sind dafür Ausbau, Anpassung und Modernisierung der Infrastruktur, insbesondere der Stationen. Darüber hinaus soll in diesem Zusammenhang eine Anbindung von Kamp-Lintfort an den SPNV erfolgen.

Unterpunkte Infrastruktur

Stationen für höhere Anforderungen fit machen

Um die auf einigen Linien des Niederrhein-Münsterland-Netzes angestrebten Kapazitätsausweitungen umzusetzen, ist zum einen der Einsatz der neuen Züge mit erhöhtem Platzangebot erforderlich. Zum anderen müssen dazu aber auch Umbaumaßnahmen an zahlreichen Stationen erfolgen. So wird u. a. sichergestellt, dass für die künftig verkehrenden Fahrzeuge ausreichend lange Bahnsteige vorhanden sind. Dies macht an einer Vielzahl von Stationen Bahnsteigverlängerungen notwendig. Hinzu kommt an einigen Stationen eine Anpassung der Bahnsteighöhe auf die Standarhöhe in NRW von 76 cm, um einen niveaugleichen Einstieg in die Fahrzeuge zu ermöglichen. Darüber hinaus werden die Stationen, sofern nicht bereits geschehen, barrierefrei ausgebaut. Dies schließt eine stufenfreie Erschließung der Bahnsteige über Rampen bzw. Aufzüge ein. Nach derzeitigem Stand müssen im VRR-Gebiet an insgesamt 39 Stationen die genannten Anpassungen durchgeführt werden.


Weitere Infrastrukturmaßnahmen:

Zu den weiteren im Niederrhein-Münsterland-Netz durchzuführenden Infrastrukturmaßnahmen gehören u. a.

  • Die Errichtung einer Wendeanlage im Bahnhof Geldern: Der Bahnhof Geldern soll künftig die Endstation für die geplante neue Linie RB 37 Neuss – Krefeld – Geldern sein. Damit die Züge dort für die Rückfahrt wenden können, soll ein zusätzliches Bahnsteiggleis gebaut werden. Dadurch lassen sich auch verkehrliche Konflikte mit der weiter nach Kleve führenden Linie RE 10 vermeiden.
  • Neubau eines Digitalen Stellwerks (DStW) in Kleve und eines Elektronischen Stellwerks (EStW) in Rheinkamp
  • Erweiterung und Ertüchtigung von Fahrzeug-Abstellanlagen

Praktische Oberleitungs-Inselanlage fürs Wiederaufladen

Im Niederrhein-Münsterland-Netz sind gegenwärtig rund 200 Kilometer Gleislänge nicht elektrifiziert. Eine komplette Elektrifizierung des Netzes ist derzeit nicht geplant. Dennoch lassen sich alle Linien des Netzes durch den Einsatz von batterie-elektrischen Zügen auf elektrischen Betrieb umstellen. Verfügen doch alle Linien zumindest abschnittsweise über Oberleitungen, über die die Batterien der Züge während der Fahrt geladen werden können. In den oberleitungsfreien Abschnitten erfolgt dann der Antrieb der Züge durch Strom aus den Batterien an Bord.

Eine echte Herausforderung bildet dabei der oberleitungsfreie Abschnitt des RE 10 zwischen Krefeld Hbf und Kleve. Auf diesem rund 65 km langen Streckenabschnitt würde der in den Batterien geladene Strom unter allen Bedingungen nicht für die Hin- und Rückfahrt ausreichen. Die praktische Lösung dafür: Im Bereich des Bahnhofs Kleve wird eine sogenannte Oberleitungs-Inselanlage (OLIA) errichtet. Bei der OLIA handelt es sich um eine Nachladestation in Gestalt einer kurzen, lokalen Oberleitungsanlage. Dort lässt sich der für die Rückfahrt erforderliche zusätzliche Strom in die Batterien der BEMU-Fahrzeuge einspeisen.  

Neue Einbindung von Kamp-Lintfort ins Netz

Derzeit ist Kamp-Lintfort die drittgrößte deutsche Stadt ohne eigenen Anschluss an den SPNV. In Zukunft werden die Einwohner*innen der Stadt und insbesondere der Hochschulstandort von einer Reaktivierung der Niederrheinbahn (Moers-Rheinkamp – Kamp-Lintfort) profitieren und der RE 44 Bottrop – Oberhausen – Duisburg – Moers bis Kamp-Lintfort verlängert. Dazu wird die ehemalige Güterbahnstrecke vom Bahnhof Rheinkamp bis Kamp-Lintfort reaktiviert und an den SPNV angebunden.

Bereits während der Landesgartenschau 2020 hat es von April bis Oktober an den Wochenenden und Feiertagen einen Vorlaufbetrieb im Stundentakt auf der 10 Kilometer langen Niederrheinbahn zwischen Moers und Kamp-Lintfort gegeben. Voraussichtlich ab Mitte 2026 werden dort die Züge des RE 44 im Regelbetrieb verkehren.

Bis dahin sind noch umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen entlang der Strecke notwendig. So muss zunächst ein modernes, Elektronisches Stellwerk in Rheinkamp errichtet werden, um den Anschluss an die vorhandene DB-Strecke zu ermöglichen. Im Zuge der Reaktivierung werden zudem drei neue, barrierefreie Haltepunkte gebaut: Kamp-Lintfort Mitte, Kamp-Lintfort Süd und Moers-Repelen. Darüber hinaus müssen an der Strecke zum Teil 100 Jahre alte Technik erneuert sowie Gleisanlagen saniert bzw. im Abschnitt Kamp-Lintfort Süd – Kamp-Lintfort Mitte ganz neu errichtet werden. Infrastrukturbetreiber der Strecke von Rheinkamp bis Kamp-Lintfort ist die Niederrheinbahn GmbH.

Meilensteine

Zeitschiene für das Niederrhein-Münsterland-Netz

Start: Ausschreibung der Fahrzeuge

Start der Ausschreibung der Betriebsleistungen der Linien RE 14, RE 44, RB 31, RB 36 und RB 43 (Teilnetz 2)

Angebotsabgabe der Fahrzeughersteller

Zuschlag für die Fahrzeuge an die spanische Firma CAF (Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles, S. A.)

Angebotsabgabe der Eisenbahnverkehrsunternehmen (Teilnetz 2)

Ausschreibung der Betriebsleistungen der Linien RE 10 und RB 37 (Teilnetz 1)

Erste Fahrzeugfertigstellung und Testfahrt

Betriebsaufnahme RE 44, RB 31, RB 36

Inbetriebnahme der Strecke nach Kamp-Lintfort

Betriebsaufnahme RE 14

Betriebsaufnahme RB 37

Betriebsaufnahme RE 10, RB 43

VRR-Nachhaltigkeitsagenda

„Gemeinsam. Nachhaltig. Mobil.“ Unter diesem Motto widmen wir uns zusammen mit zahlreichen Partnerinnen und Partnern einer klima- und umweltfreundlichen öffentlichen Mobilität. Denn eine nachhaltige Verkehrswende gelingt nur mit einem attraktiven und qualitativ hochwertigen Öffentlichen Personennahverkehr, der einfach, flexibel und innovativ ist, auf klimafreundliche Antriebstechnologien setzt und für Menschen in der Stadt und auf dem Land vernetzte Mobilitätslösungen bietet. Diese Vision drückt sich in unserer VRR-Nachhaltigkeitsagenda aus und leitet uns, wenn wir uns für einen zukunftsfähigen öffentlichen Verkehr in unserem Verbundraum engagieren.

 

Die VRR-Nachhaltigkeitsagenda
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