Blick über die Schulter einer Person auf ein Smartphone, im Display ist rufmobil.nrw zu sehen

21. September 2026

Neun Monate rufmobil.nrw: Bewährt sich die Idee einer gemeinsamen On-Demand-Plattform für NRW?

On-Demand-Verkehre schließen Lücken im Öffentlichen Personennahverkehr. Sie fahren dort, wo klassische Linienangebote nicht immer wirtschaftlich oder bedarfsgerecht eingesetzt werden können, etwa im ländlichen Raum, früh morgens und abends spät oder auf Verbindungen abseits stark nachgefragter Verkehrsachsen. Sie heißen je nach Stadt oder Region anders, funktionieren lokal unterschiedlich und wurden bislang häufig über jeweils eigene Apps und Buchungswege organisiert. Genau hier setzt rufmobil.nrw an: Die Plattform bündelt On-Demand-Angebote unter einem gemeinsamen digitalen Dach und macht sie damit für Fahrgäste mit einem Zugang nutzbar.

Eine erste Bilanz

Am 8. Dezember 2025 hat das beim VRR angesiedelte Kompetenzcenter Digitalisierung (KCD) rufmobil.nrw im Rahmen der ÖPNV Digitalisierungsoffensive NRW auf den Weg gebracht, um Synergien zu heben, technische Standards zu schaffen und On-Demand-Angebote in Nordrhein-Westfalen besser sichtbar zu machen. Nach den ersten Monaten zeigt sich: Die Idee einer landesweit einheitlichen Plattform funktioniert. Inzwischen sind fünf On-Demand-Angebote mit zehn Verkehrsgebieten an rufmobil.nrw angeschlossen. Mehr als 100.000 Fahrgäste haben über die neue App werktags durchschnittlich 500 Fahrten gebucht.

Veranstaltung zur Einführung von rufmobil.nrw: NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer mit weiteren Teilnehmern der Veranstaltung
Veranstaltung zur Einführung von rufmobil.nrw: v. l. n. r. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer, Henry Steinbach (Projekt- und Teamleiter beim KCD), Jan Möwis (Prokurist/Strategische Angebotsplanung bei HochstiftBewegt), Marcus Klugmann (Geschäftsführer HochstiftBewegt / Nahverkehrsgesellschaft Hochstift mbH)

Warum NRW eine gemeinsame Plattform braucht

On-Demand-Angebote gewinnen an Bedeutung, weil sie den klassischen ÖPNV dort ergänzen, wo starre Linien und feste Fahrpläne an Grenzen stoßen. Sie sorgen für flexible Verbindungen zwischen Quartieren, Ortsteilen und ländlichen Räumen und verbessern Anschlüsse an den Linienverkehr mit Bus und Bahn. Gleichzeitig standen Kommunen und Verkehrsunternehmen bislang häufig vor hohen technischen und organisatorischen Anforderungen, wenn sie ein eigenes On-Demand-Angebot einführen und betreiben wollten. Buchungssystem, App, Nutzerführung, Bezahlfunktion, Datenanbindung und Vermarktung wurden in der Regel individuell organisiert. Wer also On-Demand-Angebote in unterschiedlichen Städten und Kreisen nutzen wollte, musste sich oft mit verschiedenen Apps, Registrierungen, Tarifen und Zahlungsmethoden auseinandersetzen. Die App rufmobil.nrw setzt genau an dieser Stelle an und schafft einen zentralen Zugang zu den unterschiedlichen Verkehrsangeboten.

Ein zentraler Zugang für alle Angebote

Fahrgäste registrieren sich einmal, wählen das gewünschte Bediengebiet und den jeweiligen On-Demand-Dienst aus, geben Start, Ziel, die gewünschte Abfahrts- bzw. Ankunftszeit sowie die Anzahl der mitreisenden Personen ein und können die Fahrt direkt buchen. Die App zeigt den nächstgelegenen Haltepunkt an. Meist sind dies Haltestellen, die bequem zu Fuß erreichbar sind. An diesem Haltepunkt holt der On-Demand-Bus den Fahrgast ab und fährt ihn zum gewünschten Ziel.

Damit ist rufmobil.nrw mehr als eine zusätzliche App. Sie stellt vielmehr eine gemeinsame technische Infrastruktur bereit, auf der lokale Angebote sichtbar bleiben. Die Plattform vereint heute On-Demand-Services aus sehr unterschiedlichen Räumen: urbane Angebote wie Bussi in Essen oder myBUS in Duisburg ebenso wie Verkehre in eher ländlich geprägten Regionen, darunter Holibri in Höxter und Lichtenau, mobie im Rhein-Erft-Kreis sowie monti im Bergischen Land. So entsteht ein landesweit einheitlicher Zugang zu On-Demand-Services mit hohem Wiedererkennungswert.

  • Abbildung eines bussi-Fahrzeugs der Ruhrbahn
  • Ein HoliBri-Fahrzeug steht an einer Haltestelle
  • Ein mobie-Fahrzeug auf einer Straße
  • Ein myBUS-Fahrzeug der DVG fährt über eine Straße

rufmobil.nrw reduziert Zugangshürden

Für Fahrgäste zählt vor allem, dass Mobilität einfach funktioniert. Wer ein On-Demand-Angebot nutzen möchte, will nicht zuerst herausfinden müssen, welche App in welcher Kommune gilt und wie Registrierung, Buchung und Bezahlung ablaufen. rufmobil.nrw reduziert diese Hürden. Einmal registriert, können Fahrgäste angeschlossene On-Demand-Angebote über einen zentralen Zugang buchen und bezahlen. Die Nutzerführung bleibt gleich, auch wenn sich das jeweilige Bediengebiet unterscheidet. Gerade für Menschen, die flexibel unterwegs sein möchten oder auf Verbindungen angewiesen sind, die der Linienverkehr nicht regelmäßig abdeckt, kann dieser einfache, niederschwellige Zugang entscheidend sein. Je größer das Netzwerk perspektivisch wird, desto größer ist auch der Nutzen für die Fahrgäste: mehr Bediengebiete, mehr flexible Mobilitätsangebote, aber weiterhin eine vertraute Anwendung.

rufmobil.nrw senkt Entwicklungs- und Betriebskosten

Auch für Kommunen und Verkehrsunternehmen setzt rufmobil.nrw an zentralen Herausforderungen an. Wer ein On-Demand-Angebot neu aufbauen oder ein bestehendes Angebot digital weiterentwickeln möchte, braucht dafür kein eigenes Hintergrund- und Buchungssystem mehr. Die Plattform ist für Mandanten bis Ende 2027 kostenfrei, modular aufgebaut und skalierbar. Bestehende wie neue Projekte können eingebunden werden. Das spart Entwicklungs- und Betriebskosten und erleichtert insbesondere kleineren Verkehrsunternehmen den Einstieg in ein Angebotssegment, das sonst häufig nur mit großem technischem und finanziellem Aufwand zu realisieren wäre. Ein wichtiger Vorteil ist dabei die Standardisierung. Gerade in der finanziell angespannten Lage vieler Kommunen gewinnen gemeinsame Lösungen an Bedeutung. Wenn nicht jedes Verkehrsunternehmen eigene technische Strukturen aufbauen und betreiben muss, entstehen Synergien.

Lokale Marken bleiben sichtbar

Hinzu kommt die gemeinsame Vermarktung. On-Demand-Verkehre entfalten ihren Nutzen erst dann vollständig, wenn Fahrgäste sie kennen, verstehen und regelmäßig nutzen. Eine landesweite Plattform wie rufmobil.nrw bündelt Aufmerksamkeit und verankert On-Demand-Verkehre stärker im Bewusstsein von Nahverkehrskund:innen. Davon profitieren nicht nur die Angebote selbst, sondern auch die beteiligten Kommunen und Verkehrsunternehmen. Sie werden Teil eines größeren Netzwerks und bleiben gleichzeitig mit ihren lokalen Marken sichtbar.

Keyvisual von rufmobil.nrw: eine überdimensionierte Hand hält ein Smartphone, aus dem Display kommt ein Fahrzeug von rufmobil.nrw

Gemeinsame Standards und einheitliche Infrastruktur

Die Entwicklung von rufmobil.nrw ist noch nicht abgeschlossen. Gespräche mit weiteren Partnern laufen bereits. Perspektivisch sollen weitere Bediengebiete hinzukommen – und auch die Anbindung vonbedarfsorientierten Bürgerbusangeboten ist vorgesehen. Die landesweite On-Demand-Plattform steht damit beispielhaft für einen Ansatz, der im Öffentlichen Personennahverkehr künftig immer wichtiger werden dürfte: gemeinsame Standards, gemeinsame Infrastruktur und lokale Angebote, die unter einem übergreifenden Dach stärker zusammenwirken.

„Die Zukunft der öffentlichen Mobilität entscheidet sich nicht allein an der Frage, ob wir neue Angebote schaffen. Entscheidend ist vielmehr, dass wir sie so organisieren, dass Fahrgäste sie einfach nutzen und Verkehrsunternehmen ihre Ressourcen sinnvoll einsetzen können. rufmobil.nrw zeigt, welchen Wert gemeinsame Standards haben. Angebote in den Städten und Kreisen bleiben sichtbar und gewinnen durch eine landesweite Plattform an Reichweite und Wiedererkennbarkeit. Genau solche Lösungen brauchen wir, wenn der ÖPNV flexibler, effizienter und für die Menschen leichter zugänglich werden soll“, sagt Oliver Wittke, Vorstandssprecher des VRR.

Fünf Fragen an...

Wir haben Henry Steinbach, Projekt- und Teamleiter beim KCD, und Jan Möwis, Prokurist / Strategische Angebotsplanung bei HochstiftBewegt, gefragt, wie ihre Bilanz nach neun Monaten rufmobil.nrw ausfällt und welche Vorteile die gemeinsame Plattform für kommunale Aufgabenträger und Fahrgäste mit sich bringt.

Fragen 1 und 2

Herr Steinbach, vor neun Monaten ist rufmobil.nrw gestartet. Was zeigt Ihnen heute, dass die Idee einer landesweit einheitlichen On-Demand-Plattform funktioniert?

Henry Steinbach: Für mich ist der wichtigste Beleg, dass die Plattform in der Praxis funktioniert. Unterschiedliche Regionen und Verkehrsunternehmen können auf einer gemeinsamen technischen Basis zusammenarbeiten und gleichzeitig ihre individuellen Anforderungen abbilden. Genau diese Verbindung aus Standardisierung und lokaler Flexibilität war die Grundidee von rufmobil.nrw. Darüber hinaus sehen wir eine sehr positive Entwicklung: Weitere Mandanten befinden sich bereits in der Vorbereitung, sodass wir bis zum Jahresende voraussichtlich mehr als zehn Mandanten auf der Plattform haben werden. Das unterstreicht, dass der Ansatz auf großes Interesse stößt und sich als skalierbare Lösung für Nordrhein-Westfalen etabliert.

Mit rufmobil.nrw arbeiten Land, KCD, Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen an einer gemeinsamen Plattform. Welche Rolle übernehmen die verschiedenen Akteure dabei und warum ist dieses Zusammenspiel entscheidend für den Erfolg des Projektes?

Henry Steinbach: Der Erfolg von rufmobil.nrw basiert auf einer klaren Rollenverteilung: Das Land setzt den Rahmen, das KCD stellt und entwickelt die gemeinsame Plattform, die Aufgabenträger gestalten die Angebote entsprechend ihrer regionalen Bedarfe und die Verkehrsunternehmen sorgen für den verlässlichen Betrieb vor Ort. Entscheidend ist, dass alle dasselbe Ziel verfolgen: flexible Mobilität einfacher, effizienter und für die Fahrgäste attraktiver zu machen. Genau dieses Zusammenspiel macht aus vielen einzelnen Lösungen ein gemeinsames Landesprojekt.

Fragen 3 und 4

Herr Möwis, warum haben Sie sich entschieden, Ihren On-Demand-Verkehr an rufmobil.nrw anzubinden?

Jan Möwis: Im Fokus steht für uns immer der Fahrgast! In der jüngeren Vergangenheit haben wir Erfahrungen mit verschiedenen Plattformen rund um Bedarfsverkehre gesammelt und diese Eindrücke in das Verfahren zu rufmobil.nrw eingebracht. Der regionale und überregionale Flickenteppich an Apps ist nach unserer Ansicht ineffizient und unwirtschaftlich. Eine zentrale Plattform kam daher aus Kundensicht und aus Sicht der Wirtschaftlichkeit genau zum richtigen Zeitpunkt.

Welche Erfahrungen haben Sie seit der Anbindung gemacht, sowohl organisatorisch als auch betrieblich?

Jan Möwis: Der Prozess zur Anbindung von Bestandsverkehren ist gut organisiert und die Zuständigkeiten klar verteilt, sodass es wenig Reibungsverluste gab. Die Kunden haben die Umstellung von den Vorgänger-Plattformen sehr gut angenommen. Auf lokaler Ebene bleibt ausreichend Gestaltungsspielraum, um die ortspezifischen Eigenheiten umzusetzen. Ein großes Plus ist außerdem das Netzwerk, das sich durch die projektbezogene Arbeitsgruppe gebildet hat. Dort können wir uns auch unabhängig von der rufmobil.nrw-Plattform über Themen von Bedarfsverkehren austauschen. Im Betrieb hat sich vor allem bemerkbar gemacht, dass der Algorithmus die Fahrten durchgängig optimiert. Mit der Auslastung der Fahrzeuge sind wir zufriedener als vorher.

Frage 5

Wenn sich weitere On-Demand-Angebote unter dem Dach von rufmobil.nrw zusammenschließen: Was bedeutet das aus Ihrer Sicht für die öffentliche Mobilität in NRW?

Henry Steinbach: Mit jedem neuen Mandanten wächst der Mehrwert von rufmobil.nrw. Neben den Vorteilen für Fahrgäste und Betreiber entsteht ein weiterer wichtiger Mehrwert: die Möglichkeit, Daten landesweit gebündelt auszuwerten. Mit der kürzlich vergebenen Begleitforschung wollen wir genau dieses Potenzial nutzen. Je mehr Angebote auf der Plattform zusammenkommen, desto besser können wir verstehen, wie On-Demand-Verkehre genutzt werden, welche Erfolgsfaktoren es gibt und welchen Beitrag sie für den ÖPNV leisten. So entsteht nicht nur eine gemeinsame Plattform, sondern auch ein wachsender Wissensschatz, der die Weiterentwicklung der On-Demand-Mobilität in NRW unterstützt.

Jan Möwis: Aus Kundensicht sollten sich alle On-Demand-Verkehre in NRW unter einem Dach versammeln. Dann können die Nutzerinnen und Nutzer ortsunabhängig die gleiche App wählen, um Angebote von verschiedenen Anbietern zu buchen. Die Fokussierung auf eine App macht den Zugang zum ÖPNV-System niederschwelliger und holt potenzielle Kunden besser ab. Der angesprochene Wissensschatz ist nicht zu unterschätzen, weil wir neue Entwicklungen mit einem größeren Erfahrungsschatz abgleichen können und so in Summe ein besseres Verkehrsangebot auf die Straße bekommen.

Jetzt rufmobil.nrw herunterladen!

Einfach die rufmobil.nrw App herunterladen, registrieren und den On-​Demand-Dienst buchen.

Wibke Hinz

Von Wibke Hinz
PR- und Online-Redakteurin


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