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26. Juni 2026

SPNV-Qualitätsbericht 2025

Der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr bleibt auch im Jahr 2025 ein hoch belastetes Verkehrssystem – das zeigt der aktuelle SPNV-Qualitätsbericht. Zwar ist es gelungen, den Betrieb an einzelnen Stellen zu stabilisieren. Insgesamt hat sich die Situation für Fahrgäste jedoch kaum verbessert. Vor allem die störanfällige Infrastruktur und die damit verbundenen zahlreichen Baustellen im Eisenbahnnetz entwickeln sich zunehmend zum begrenzenden Faktor für Qualität und Verlässlichkeit.

Pünktlichkeit

Die Pünktlichkeit verschlechterte sich 2025 erneut und lag auf einem Niveau, das bereits im Vorjahr kritisch war. Die Züge verspäteten sich im Durchschnitt um zwei Minuten und 48 Sekunden, wobei sich die Unterschiede zwischen den drei Produktgruppen weiter vergrößerten. Während S-Bahnen mit einer Quote von 83,1 % an pünktlichen beziehungsweise bis drei Minuten und 59 Sekunden verspäteten Fahrten weiterhin vergleichsweise stabil unterwegs waren, gerieten insbesondere die Regionalexpresslinien mit nur noch 60,4 % pünktlichen Fahrten zunehmend unter Druck. Auch Regionalbahnen erreichten mit 68,8 % kein stabiles Niveau mehr.

Auffällig ist, dass sich Verspätungen immer stärker systemisch erklären lassen. Linien, die mehrere hochbelastete Knoten passieren oder sich die Infrastruktur mit dem Fern- und Güterverkehr teilen, sind besonders anfällig. Dort reichen geringe Abweichungen aus, um entlang der Strecke weitere Verspätungen aufzubauen. „Wir sehen sehr deutlich, dass sich Verspätungen nicht mehr nur aus einzelnen Störungen ergeben, sondern aus der Überlastung des Gesamtsystems“, ordnet VRR-Vorstandssprecher Oliver Wittke die Entwicklung ein. „Gerade auf den langen Linien wirken sich Störungen wie ein Dominoeffekt auf die Pünktlichkeit aus.“

SPNV-Qualitätsbericht 2025: Informationsgrafik zu den pünktlichen Fahrten (inklusive Verspätungen bis 3:59 Minuten), Jahresvergleich 2024 / 2025
Informationsgrafik zu den pünktlichen Fahrten im SPNV (inklusive Verspätungen bis 3:59 Minuten), Jahresvergleich 2024 / 2025

Zugausfälle

Die Ausfälle zeigen noch deutlicher, wie stark das System unter Druck steht. Rechnerisch fiel 2025 mehr als jeder fünfte Zug aus – die Quote über alle bestellten Zugkilometer lag bei 20,31 Prozent. Ein großer Teil geht weiterhin auf Baustellen zurück. Sie sichern zwar langfristig die Infrastruktur, schränken den Betrieb aber kurzfristig massiv ein. 10,49 Prozent aller Fahrten entfielen baustellenbedingt, das ist jeder zehnte Zug. Gleichzeitig stiegen auch die kurzfristigen Ausfälle auf 9,82 Prozent.

Das sogenannte Aktionsprogramm Personal und Betrieb verbesserte die Lage insbesondere bei den personalbedingten Zugausfällen spürbar. Die Eisenbahnverkehrsunternehmen nahmen Linien außer Betrieb und reduzierten Takte, um Personal und Fahrzeuge zu bündeln.

„Unser Ziel war es, den Betrieb insgesamt zu stabilisieren und für unsere Fahrgäste planbarer zu machen – auch wenn das bedeutete, dass zeitweise weniger Züge fuhren“, erklärt Oliver Wittke. „Für unsere Kundinnen und Kunden zählt vor allem, dass sie sich auf den Fahrplan verlassen können.

SPNV-Qualitätsbericht 2025: Informationsgrafik zu den unvorhersehbaren Ausfällen im Jahresverlauf 2025 aller Produktgruppen (Regionalexpress, Regionalbahn, S-Bahn)
Informationsgrafik zu den unvorhersehbaren Ausfällen im Jahresverlauf 2025 aller Produktgruppen (Regionalexpress, Regionalbahn, S-Bahn)

Sitzplatzverfügbarkeit – die sogenannte Zugbildung

Beim Sitzplatzangebot zeigt sich ein gemischtes Bild. Insgesamt sank der Anteil der Fahrten mit zu wenigen Sitzplätzen leicht auf 5,52 Prozent. Dieser Durchschnittswert verdeckt große Unterschiede: Wie stark sich eine Kapazitätsabweichung auf die Fahrgäste auswirkte, unterschied sich jedoch deutlich. Entscheidend waren dabei zum einen das Fahrgastaufkommen auf der jeweiligen Linie, zum anderen die Anzahl der tatsächlich fehlenden Sitzplätze.

Im Regionalexpress-Verkehr verbesserte sich die Situation punktuell: Der Anteil, der mit weniger Sitzplätzen erbrachten Fahrten sank von 7,75 auf 6,07 Prozent. Bei den Regionalbahnen fehlten hingegen deutlich häufiger Sitzplätze: Die Quote stieg von 4,49 auf 12,49 Prozent. Besonders auffällig war die Linie RB 33: Hier fanden die Fahrgäste bei nahezu jeder zweiten Fahrt nicht die geforderte Sitzplatzanzahl vor.

Eine Frau sitzt in einem RRX-Zug und blickt auf ein Lebkuchenherz mit dem Schriftzug "VRR"

Zustand der Fahrzeuge

Grundsätzlich waren die Züge im Jahr 2025 in einem guten Zustand, sofern sie nicht wegen Motorschäden oder gravierender Mängel ausfielen. Speziell geschulte Prüf-Fachkräfte, die sogenannten VRR-Profitester:innen, vergaben im Durchschnitt 94,17 von 100 möglichen Punkten. Gleichzeitig wuchs die Spannweite zwischen den einzelnen Unternehmen.

Einige Betreiber wie beispielsweise Train Rental hielten ihre Fahrzeuge zuverlässig auf einem hohen Niveau. Andere wie beispielsweise Transdev Rhein-Ruhr kämpften weiterhin mit Mängeln. Besonders häufig bemängelten die Prüfer:innen die Sauberkeit der Fahrzeuge, insbesondere der Scheiben und der Toiletten. „Wir sprechen hier von Qualitätsmängeln, die seit Jahren bekannt sind und aufgrund von massiven Defiziten bei der Instandhaltung auch nicht behoben werden“, sagt VRR-Vorstandssprecher Oliver Wittke. „Gerade hier erwarten wir, dass die Eisenbahnverkehrsunternehmen konsequent nachbessern und ihre Werkstätten anders aufstellen.“

Regiobahn-Zug der Linie S 28

Fahrgastinformation im Regelbetrieb

Die Fahrgastinformation im Regelbetrieb funktioniert im Alltag zuverlässig. Mit 96,93 Punkten erreichte sie 2025 ein sehr hohes Niveau und gehört damit zu den stabilsten Bereichen im System. In den meisten Fällen zeigten Anzeigen und Durchsagen korrekt an, wohin der Zug fährt und welcher Halt als nächstes folgt. Probleme traten nur vereinzelt auf, meist durch technische Besonderheiten bestimmter Fahrzeugtypen oder durch Störungen auf einzelnen Linien. Für die Fahrgäste bedeutet das: Wenn der Betrieb planmäßig läuft, finden sie sich im Zug gut zurecht.

Zwei Personen stehen auf einem Bahnsteig und blicken auf einen Zugzielanzeiger. Am Bahnsteig steht ein Zug des Eisenbahnverkehrsunternehmens Vias

Fahrgastzufriedenheit

Die Fahrgäste bewerteten den SPNV im Jahr 2025 insgesamt mit der Note 2,58. Damit bleibt das Angebot „noch gut“, verbessert sich aber nicht. Erstmals erhielt keine der 49 Linien mehr eine sehr gute Bewertung. Die beliebteste Linie war im Jahr 2025 die noch recht neue Linie RE 41 von DB Regio mit einer 2,05, die unbeliebteste Linie der RE 10 von Transdev Rhein-Ruhr mit einer 3,27.

Das beliebteste Eisenbahnverkehrsunternehmen war im Jahr 2025 wie auch im Vorjahr Train Rental: Es erhielt eine 2,07 von den Reisenden. Vias belegte mit einer 2,37 Platz 2. DB Regio erhielt eine 2,52: Platz 3 in der Beliebtheitsskala der Reisenden. Die Eurobahn-Fahrgäste bewerteten ihr EVU mit einer 2,71, was Platz 4 bedeutet. Knapp dahinter mit einer 2,72 liegt National Express, gefolgt von der Regiobahn Fahrbetriebsgesellschaft mit einer 2,84. Transdev Rhein Ruhr bildet mit einer Gesamtnote von 2,97 das Schlusslicht auf Platz 7.

Die Rückmeldungen der Fahrgäste zeigen insgesamt ein klares Muster: Sobald Züge unzuverlässig, fahren, häufig ausfallen oder die geforderten Kapazitäten nicht erbracht werden, sinkt die Zufriedenheit spürbar. Einzelne positive Aspekte gleichen diese Erfahrungen kaum aus. Oliver Wittke betont deshalb: „Die Fahrgäste schauen sehr genau hin und reagieren klar auf Unzuverlässigkeit. Es sollte also im Interesse jedes einzelnen Eisenbahnverkehrsunternehmens liegen, die eigenen Leistungen jederzeit kritisch zu hinterfragen und in einen zuverlässigen Betrieb zu investieren.“

SPNV-Qualitätsbericht 2025: Informationsgrafik Fahrgastzufriedenheit 2025 im Jahresmittel [Schulnoten]
Fahrgastzufriedenheit 2025 im Jahresmittel [Schulnoten]

SPNV-Vertrieb

Auch im Jahr 2025 prüften speziell geschulte Testkund:innen die Vertriebsstellen des Dienstleisters Transdev. Sie bewerteten dabei sowohl die Fachkompetenz der Mitarbeitenden als auch die Wartezeiten an den Serviceschaltern und weitere Qualitätsmerkmale.

In den großen Reisezentren der Kategorie A mussten Fahrgäste im Schnitt eine Minute und 47 Sekunden auf eine Beratung warten. In den kleineren Vertriebsstellen der Kategorie B verkürzte sich die Wartezeit auf durchschnittlich eine Minute und 36 Sekunden. Deutlich länger dauerte es an den Videoautomaten, wo Fahrgäste im Mittel drei Minuten und 13 Sekunden bis zur Beratung benötigten.

Die fachliche Beratung überzeugt dabei nicht in allen Punkten. Besonders bei komplexeren Themen wie dem 48-StundenTicket oder der großen VRR-Tarifreform erkannten die Testkund:innen klare Defizite. Hier beantworten die Mitarbeitenden Fragen nicht durchgängig korrekt oder vollständig.

Auch beim Vergleich der Standorte zeigten sich deutliche Unterschiede. Während die Vertriebsstelle in Oberhausen die besten Ergebnisse erzielte, bildete Wesel das Schlusslicht. Damit bestätigt sich, dass die Qualität im Vertrieb weiterhin stark davon abhängt, wie gut einzelne Standorte arbeiten.

Illustration, drei Personen, zwei sitzend, eine stehend mit einem Koffer, daneben ist ein Ticketautomat zu sehen

Fazit

Der Qualitätsbericht 2025 dokumentiert ein SPNV-System, das sich punktuell stabilisiert, insgesamt aber weiterhin unter Druck steht. „Wir stoßen vielerorts an strukturelle Grenzen“, fasst Vorstandssprecher Oliver Wittke zusammen. „Vor allem die Infrastruktur bestimmt zunehmend, wie gut der SPNV funktioniert. Sie ist stark ausgelastet, vielerorts sogar überlastet, störanfällig und wird parallel umfassend modernisiert. All das wirkt sich direkt auf Pünktlichkeit, Zugausfälle und die Verlässlichkeit des Gesamtsystems aus und belastet damit unsere Reisenden massiv. Trotz dieser Unwägbarkeiten setzen wir uns gemeinsam mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen und Infrastrukturunternehmen nach Kräften dafür ein, einen verlässlichen Betrieb sicherzustellen und die Fahrgastinformation transparenter und verständlicher zu gestalten.

Wer sich vertieft mit den Ergebnissen und einzelnen Linien beschäftigen möchte, findet alle Details im vollständigen SPNV-Qualitätsbericht 2025 zum Download.

Qualitätsbericht SPNV NRW 2025

Die Qualitätsdaten des VRR fließen auch in den NRW-weiten Qualitätsbericht ein. Grundlage des Berichts sind die Informationen zur Betriebs- und Infrastrukturqualität der drei Aufgabenträger für den SPNV in NRW. Das sind neben dem VRR noch go.Rheinland und der Nahverkehr Westfalen-Lippe. Erstellt wird der jährliche Bericht vom Kompetenzcenter Integraler Taktfahrplan NRW (KC ITF) des Landes Nordrhein-Westfalen. Der Qualitätsbericht SPNV NRW 2025 ist einsehbar unter: https://spnv-qualitaet.mobil.nrw

Neben dem Bericht sind ebenfalls landesweite Qualitätszahlen zum 1. Quartal 2026 im SPNV-Qualitätsmonitor NRW zugänglich. 

 

 

Wibke Hinz

Von Wibke Hinz
PR- und Online-Redakteurin


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