VRR-Niederrheinkonferenz 2026 VRR und CAF stellen erstmals die neuen batterieelektrischen Fahrzeuge für das Niederrhein-Münsterland-Netz der Öffentlichkeit vor
Ob die Verkehrswende gelingt, entscheidet sich nicht allein in den Metropolen. Gerade in ländlichen und suburbanen Räumen müssen neue Angebote funktionieren, verlässlich sein und spürbare Verbesserungen bringen. Genau dort setzte die VRR-Niederrheinkonferenz in Neuss an: Zum dritten Mal brachte der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) Vertreter:innen aus Politik, Verkehrsbranche und Wirtschaft zusammen, um gemeinsam über die zentralen Mobilitätsthemen der Region zu sprechen. Im Zentrum der diesjährigen Konferenz stand dabei ein Projekt, das wie kaum ein anderes für diesen Anspruch steht: die neuen batterieelektrischen Triebzüge (BEMU) des spanischen Fahrzeugherstellers CAF (Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles, S.A.) für das Niederrhein-Münsterland-Netz. Was sie leisten sollen – und wie weit ihre Entwicklung ist –, wurde im Gespräch zwischen CAF-Geschäftsführer Markus Brüning und Georg Seifert, Abteilungsleiter Schienenpersonennahverkehr beim VRR, besonders greifbar.
Ein riesiger Meilenstein
Bereits im Vorprogramm erhielten die Teilnehmenden bei einer exklusiven Besichtigung in Neuss einen Einblick in die neue Fahrzeuggeneration. Für Markus Brüning war der Moment der Präsentation mehr als ein routinierter Projekttermin. Zwar wird das Fahrzeug bereits seit Februar im Prüfcenter Wegberg-Wildenrath erprobt. Der öffentliche Auftritt der neuen Züge in Neuss war aber trotzdem etwas ganz Besonderes.
„Den Zug heute der Öffentlichkeit zu präsentieren, ist für uns ein riesiger Meilenstein“, sagte Brüning. Die neuen Fahrzeuge seien für CAF das erste Vollbahnprojekt dieser Art in Deutschland– und damit ein „absolutes Leuchtturmprojekt“.
Entsprechend hoch war die Aufmerksamkeit. CAF positioniert sich mit den batterieelektrischen BEMU-Zügen bewusst in einem Markt, der sich gerade erst entwickelt. Für das Unternehmen ist das Projekt am Niederrhein deshalb mehr als ein einzelner Auftrag – es ist der Einstieg in eine neue Generation von Antriebstechnologien. „Die Technologie der batterieelektrischen Triebzüge ist für uns die Zukunft“, so Brüning.
Qualität, die sofort auffällt
Auch aus Sicht des VRR hinterlassen die Fahrzeuge einen positiven Eindruck – vor allem im Innenraum. „Eine solche Fertigungsqualität im Fahrgastbereich habe ich selten gesehen“, sagte Georg Seifert im Neusser Zeughaus und beschrieb damit sehr konkret, was die neuen Züge für die Fahrgäste ausmachen sollen. Gleichzeitig ordnet er das Projekt für die Fahrgäste am Niederrhein zeitlich ein: Die ersten Linien rund um Duisburg (RB 31, RB 36 und RE 44) sollen Ende 2027 in Betrieb gehen, der RE 10 folgt Ende 2028. Heute befinden sich Projekt und Fahrzeuge demnach noch rund eineinhalb Jahre vor der ersten Betriebsaufnahme.
| Linien | geplante Betriebsaufnahme | aktueller Betreiber | zukünftiger Betreiber |
|---|---|---|---|
| RB 31, RB 36, RE 44 | Dezember 2027 | RheinRuhrBahn | DB Regio |
| RE 14 | Dezember 2029 | RheinRuhrBahn | DB Regio |
| RB 43 | Dezember 2028 | DB Regio | DB Regio |
| RB 46 | Dezember 2029 | VIAS | |
| RB 37 | Juni 2029 | TRI (nur Abschnitt Krefeld - Neuss) | |
| RE 10 | Dezember 2028 | RheinRuhrBahn | |
| RB 68 | Dezember 2027 | Reaktivierung, aktuell kein Betrieb | |
| RB 76 | Dezember 2027 | Reaktivierung, aktuell kein Betrieb |
Zwischen Vorfreude und Anspannung
Diese Phase beschreibt Brüning als eine Mischung aus Zuversicht und Konzentration. Die Tests für die Zulassung laufen, sowohl für den Kurz- als auch für den Langtyp der Fahrzeuge. Weitere Prüfungen – etwa in der Klimakammer in Wien – stehen an, ebenso die Präsentation auf der InnoTrans im September 2026. Gleichzeitig bleibt das Projekt anspruchsvoll: „Das heißt nicht, dass wir das alles auf die leichte Schulter nehmen“, sagte Brüning. Eine gewisse Anspannung gehöre dazu – gerade wegen der Größe und Bedeutung des Vorhabens. Entscheidend sei dabei vor allem eine Komponente: die Batterie.
15 Jahre Erfahrung – und der Schritt in die sogenannte Vollbahn
Dass die Technologie funktioniere, weiß CAF aus 15-jähriger Erfahrung. Brüning verwies auf eine lange Entwicklungslinie: Bereits seit 2009 setzt das Unternehmen batteriebetriebene Straßenbahnen ein, erstmals im spanischen Sevilla. Inzwischen sind weltweit über 400 Fahrzeuge im Einsatz. Die neuen BEMU-Züge übertragen dieses Prinzip nun auf die Vollbahn – mit größeren Fahrzeugen, höheren Reichweiten und deutlich höheren Energiebedarfen.
Der entscheidende Unterschied liegt also weniger in der Technologie selbst als in ihrer Skalierung. CAF setzt dabei auf Lithium-Ionen-Batterien und entwickelt zentrale Komponenten im eigenen Haus. „Die On-Board-Energiespeichersysteme bauen wir komplett selbst“, erklärt Brüning. Für den späteren Betrieb ist das zentral: Überall dort, wo keine Oberleitung vorhanden ist, muss die Batterie zuverlässig funktionieren.
Lehren aus der Vergangenheit
Ein sensibler Punkt bleibt die Zulassung. Verzögerungen in früheren Projekten – etwa bei der Schönbuchbahn im baden-württembergischen Böblingen – haben gezeigt, wie kritisch dieser Schritt ist. Brüning grenzte das aktuelle Vorhaben jedoch klar davon ab: Das Fahrzeug für das Niederrhein-Münsterland-Netz basiert auf der bewährten Civity-Plattform. „Wir haben einen ganz anderen Reifegrad bei vielen Komponenten“, sagte er. Statt einer kompletten Neuentwicklung handelt es sich also um die Weiterentwicklung einer etablierten Regionalzugplattform – ein wichtiger Faktor für Planungssicherheit und Tempo im Projekt.
Neue CAF-Werkstatt für eine hohe Verfügbarkeit der Fahrzeuge
Parallel zur Fahrzeugentwicklung entsteht die Infrastruktur für den späteren Betrieb. Eine zentrale Rolle spielt dabei der neue Werkstattstandort in Gelsenkirchen-Bismarck. Auf einem lange Zeit brachliegenden Gelände baut CAF dort ein modernes Instandhaltungszentrum – ergänzt durch einen kleineren Standort in Neubeckum. Der Zeitplan ist ambitioniert: Bereits im März 2027 soll die Werkstatt betriebsbereit sein.
Für CAF geht es dabei nicht nur um die Wartung der eigenen Flotte. Der Standort ist bewusst größer angelegt – mit Erweiterungsflächen und dem Ziel, langfristig auch weitere Fahrzeuge zu betreuen. „Wir wollen dort ein Gesicht für Deutschland bekommen“, sagte Brüning.
Eindrücke von den neuen BEMU-Fahrzeugen bei der VRR-Niederrheinkonferenz
VRR erwartet mehr Stabilität im Betrieb
Am Ende richtete sich der Blick auf das, was für Fahrgäste entscheidend ist: ein stabiler Betrieb. Gerade die Linien am Niederrhein, die künftig auf Batteriezüge umgestellt werden, gelten als störanfällig. Hier verbindet sich mit den neuen Fahrzeugen eine klare Erwartung. Brüning formulierte das selbstbewusst: Man liege gut im Zeitplan – bei Tests, Dokumentation und Zulassungsvorbereitung. Ziel sei eine „verbesserte Verfügbarkeit“ der Fahrzeuge und damit ein stabilerer Betrieb. „Das ist nicht nur unser Ziel, sondern unser Anspruch – und unsere vertragliche Verpflichtung“, betonte er.
Die dritte VRR-Niederrheinkonferenz im Überblick
Neben dem Interview zu den neuen Fahrzeugen griff die dritte VRR-Niederrheinkonferenz weitere Themen der regionalen Mobilität auf: Dazu zählten unter anderem das Mobilitätskonzept zur Landesgartenschau 2026, aktuelle Projekte zur Koordination des ÖPNV, die Weiterentwicklung des Tarifs im VRR sowie Fördermöglichkeiten für Infrastrukturmaßnahmen. Im Mittelpunkt stand dabei stets die Frage, wie sich Mobilität in der Region konkret verbessern und nachhaltiger gestalten lässt.










































