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28. Mai 2026

VRR-Niederrheinkonferenz 2026 VRR und CAF stellen erstmals die neuen batterieelektrischen Fahrzeuge für das Niederrhein-Münsterland-Netz der Öffentlichkeit vor

Ob die Verkehrswende gelingt, entscheidet sich nicht allein in den Metropolen. Gerade in ländlichen und suburbanen Räumen müssen neue Angebote funktionieren, verlässlich sein und spürbare Verbesserungen bringen. Genau dort setzte die VRR-Niederrheinkonferenz in Neuss an: Zum dritten Mal brachte der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) Vertreter:innen aus Politik, Verkehrsbranche und Wirtschaft zusammen, um gemeinsam über die zentralen Mobilitätsthemen der Region zu sprechen. Im Zentrum der diesjährigen Konferenz stand dabei ein Projekt, das wie kaum ein anderes für diesen Anspruch steht: die neuen batterieelektrischen Triebzüge (BEMU) des spanischen Fahrzeugherstellers CAF (Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles, S.A.) für das Niederrhein-Münsterland-Netz. Was sie leisten sollen – und wie weit ihre Entwicklung ist –, wurde im Gespräch zwischen CAF-Geschäftsführer Markus Brüning und Georg Seifert, Abteilungsleiter Schienenpersonennahverkehr beim VRR, besonders greifbar.

Ein riesiger Meilenstein

Bereits im Vorprogramm erhielten die Teilnehmenden bei einer exklusiven Besichtigung in Neuss einen Einblick in die neue Fahrzeuggeneration. Für Markus Brüning war der Moment der Präsentation mehr als ein routinierter Projekttermin. Zwar wird das Fahrzeug bereits seit Februar im Prüfcenter Wegberg-Wildenrath erprobt. Der öffentliche Auftritt der neuen Züge in Neuss war aber trotzdem etwas ganz Besonderes.

„Den Zug heute der Öffentlichkeit zu präsentieren, ist für uns ein riesiger Meilenstein“, sagte Brüning. Die neuen Fahrzeuge seien für CAF das erste Vollbahnprojekt dieser Art in Deutschland– und damit ein „absolutes Leuchtturmprojekt“.

Entsprechend hoch war die Aufmerksamkeit. CAF positioniert sich mit den batterieelektrischen BEMU-Zügen bewusst in einem Markt, der sich gerade erst entwickelt. Für das Unternehmen ist das Projekt am Niederrhein deshalb mehr als ein einzelner Auftrag – es ist der Einstieg in eine neue Generation von Antriebstechnologien. „Die Technologie der batterieelektrischen Triebzüge ist für uns die Zukunft“, so Brüning.

Qualität, die sofort auffällt

Auch aus Sicht des VRR hinterlassen die Fahrzeuge einen positiven Eindruck – vor allem im Innenraum. „Eine solche Fertigungsqualität im Fahrgastbereich habe ich selten gesehen“, sagte Georg Seifert im Neusser Zeughaus und beschrieb damit sehr konkret, was die neuen Züge für die Fahrgäste ausmachen sollen. Gleichzeitig ordnet er das Projekt für die Fahrgäste am Niederrhein zeitlich ein: Die ersten Linien rund um Duisburg (RB 31, RB 36 und RE 44) sollen Ende 2027 in Betrieb gehen, der RE 10 folgt Ende 2028. Heute befinden sich Projekt und Fahrzeuge demnach noch rund eineinhalb Jahre vor der ersten Betriebsaufnahme.

Linien geplante Betriebsaufnahme aktueller Betreiber zukünftiger Betreiber
RB 31, RB 36, RE 44 Dezember 2027 RheinRuhrBahn DB Regio
RE 14 Dezember 2029 RheinRuhrBahn DB Regio
RB 43 Dezember 2028 DB Regio DB Regio
RB 46 Dezember 2029 VIAS  
RB 37 Juni 2029 TRI (nur Abschnitt Krefeld - Neuss)  
RE 10 Dezember 2028 RheinRuhrBahn  
RB 68 Dezember 2027 Reaktivierung, aktuell kein Betrieb  
RB 76 Dezember 2027 Reaktivierung, aktuell kein Betrieb  

Zwischen Vorfreude und Anspannung

Diese Phase beschreibt Brüning als eine Mischung aus Zuversicht und Konzentration. Die Tests für die Zulassung laufen, sowohl für den Kurz- als auch für den Langtyp der Fahrzeuge. Weitere Prüfungen – etwa in der Klimakammer in Wien – stehen an, ebenso die Präsentation auf der InnoTrans im September 2026. Gleichzeitig bleibt das Projekt anspruchsvoll: „Das heißt nicht, dass wir das alles auf die leichte Schulter nehmen“, sagte Brüning. Eine gewisse Anspannung gehöre dazu – gerade wegen der Größe und Bedeutung des Vorhabens. Entscheidend sei dabei vor allem eine Komponente: die Batterie.

  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: Georg Seifert, VRR-Abteilungsleiter SPNV
    Georg Seifert, VRR-Abteilungsleiter SPNV
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: Marcus Brüning, CEO der CAF Deutschland GmbH
    Marcus Brüning, CEO der CAF Deutschland GmbH

15 Jahre Erfahrung – und der Schritt in die sogenannte Vollbahn

Dass die Technologie funktioniere, weiß CAF aus 15-jähriger Erfahrung. Brüning verwies auf eine lange Entwicklungslinie: Bereits seit 2009 setzt das Unternehmen batteriebetriebene Straßenbahnen ein, erstmals im spanischen Sevilla. Inzwischen sind weltweit über 400 Fahrzeuge im Einsatz. Die neuen BEMU-Züge übertragen dieses Prinzip nun auf die Vollbahn – mit größeren Fahrzeugen, höheren Reichweiten und deutlich höheren Energiebedarfen.

Der entscheidende Unterschied liegt also weniger in der Technologie selbst als in ihrer Skalierung. CAF setzt dabei auf Lithium-Ionen-Batterien und entwickelt zentrale Komponenten im eigenen Haus. „Die On-Board-Energiespeichersysteme bauen wir komplett selbst“, erklärt Brüning. Für den späteren Betrieb ist das zentral: Überall dort, wo keine Oberleitung vorhanden ist, muss die Batterie zuverlässig funktionieren.

Lehren aus der Vergangenheit

Ein sensibler Punkt bleibt die Zulassung. Verzögerungen in früheren Projekten – etwa bei der Schönbuchbahn im baden-württembergischen Böblingen – haben gezeigt, wie kritisch dieser Schritt ist. Brüning grenzte das aktuelle Vorhaben jedoch klar davon ab: Das Fahrzeug für das Niederrhein-Münsterland-Netz basiert auf der bewährten Civity-Plattform. „Wir haben einen ganz anderen Reifegrad bei vielen Komponenten“, sagte er. Statt einer kompletten Neuentwicklung handelt es sich also um die Weiterentwicklung einer etablierten Regionalzugplattform – ein wichtiger Faktor für Planungssicherheit und Tempo im Projekt.

Neue CAF-Werkstatt für eine hohe Verfügbarkeit der Fahrzeuge

Parallel zur Fahrzeugentwicklung entsteht die Infrastruktur für den späteren Betrieb. Eine zentrale Rolle spielt dabei der neue Werkstattstandort in Gelsenkirchen-Bismarck. Auf einem lange Zeit brachliegenden Gelände baut CAF dort ein modernes Instandhaltungszentrum – ergänzt durch einen kleineren Standort in Neubeckum. Der Zeitplan ist ambitioniert: Bereits im März 2027 soll die Werkstatt betriebsbereit sein.

Für CAF geht es dabei nicht nur um die Wartung der eigenen Flotte. Der Standort ist bewusst größer angelegt – mit Erweiterungsflächen und dem Ziel, langfristig auch weitere Fahrzeuge zu betreuen. „Wir wollen dort ein Gesicht für Deutschland bekommen“, sagte Brüning.

Eindrücke von den neuen BEMU-Fahrzeugen bei der VRR-Niederrheinkonferenz

  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: Marcus Brüning, CEO der CAF Deutschland GmbH, bei seiner Rede
    Marcus Brüning, CEO der CAF Deutschland GmbH, begrüßt die anwesenden Gäste bei der Vorstellung der neuen BEMU-Fahrzeuge für das Niederrhein-Münsterland-Netz
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: Marcus Brüning, CEO der CAF Deutschland GmbH, und Oliver Wittke, Vorstandssprecher des VRR (rechts) im BEMU-Zug
    Marcus Brüning, CEO der CAF Deutschland GmbH, und Oliver Wittke, Vorstandssprecher des VRR (rechts) im neuen BEMU-Zug
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: Marcus Brüning, CEO der CAF Deutschland GmbH, vor dem neuen BEMU-Zug
    Marcus Brüning, CEO der CAF Deutschland GmbH, vor dem neuen BEMU-Zug
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: Seitenansicht des Zuges
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: der Zug von schräg vorne
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: Blick in den Innenraum mit dem Führerstand im Hintergrund
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: Blick in den Innenraum
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: Eingangsbereich des Zuges
    Die neuen BEMU-Züge verfügen über großzügige Eingangsbereiche für einen schnellen Fahrgastwechsel.
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: Eingangsbereich des Zuges
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: Mehrzweckbereich des Zuges mit Abstellmöglichkeiten für Fahrräder
    In den geräumigen Mehrzweckbereichen können Fahrgäste ihre Fahrräder unterbringen.
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: der Fahrradbereich
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: Blick in den Führerstand des neuen BEMU-Zuges
    Blick in den Führerstand des neuen BEMU-Zuges
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: Blick in den Führerstand des neuen BEMU-Zuges
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: Blick in den Führerstand des neuen BEMU-Zuges
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: digitale Fahrgastinformationsanzeiger im Zug
    Über digitale Anzeiger erhalten Fahrgäste Informationen rund um ihre Fahrt.
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: digitale Fahrgastinformationsanzeiger im Zug
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: Detailaufnahme
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: Videoüberwachung im Zug
    Die neuen BEMU-Fahrzeuge verfügen über moderne Videotechnik.
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: Batteriekästen unter dem Zug
    Unter dem Zug befinden sich die Batterien, die auch Strecken ohne Oberleitung den Betrieb ermöglichen.
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: Schriftzug Gelsenkirchen-Bismarck auf der Zugseite
    In Gelsenkirchen-Bismarck werden die Züge nach der Betriebsaufnahme gewartet und in Stand gehalten.
  • Vorstellung der BEMU-Fahrzeuge von CAF: Eine Beachflag mit CAF-Logo vor dem neuen BEMU-Zug

VRR erwartet mehr Stabilität im Betrieb

Am Ende richtete sich der Blick auf das, was für Fahrgäste entscheidend ist: ein stabiler Betrieb. Gerade die Linien am Niederrhein, die künftig auf Batteriezüge umgestellt werden, gelten als störanfällig. Hier verbindet sich mit den neuen Fahrzeugen eine klare Erwartung. Brüning formulierte das selbstbewusst: Man liege gut im Zeitplan – bei Tests, Dokumentation und Zulassungsvorbereitung. Ziel sei eine „verbesserte Verfügbarkeit“ der Fahrzeuge und damit ein stabilerer Betrieb. „Das ist nicht nur unser Ziel, sondern unser Anspruch – und unsere vertragliche Verpflichtung“, betonte er.

Die dritte VRR-Niederrheinkonferenz im Überblick

Neben dem Interview zu den neuen Fahrzeugen griff die dritte VRR-Niederrheinkonferenz weitere Themen der regionalen Mobilität auf: Dazu zählten unter anderem das Mobilitätskonzept zur Landesgartenschau 2026, aktuelle Projekte zur Koordination des ÖPNV, die Weiterentwicklung des Tarifs im VRR sowie Fördermöglichkeiten für Infrastrukturmaßnahmen. Im Mittelpunkt stand dabei stets die Frage, wie sich Mobilität in der Region konkret verbessern und nachhaltiger gestalten lässt.

  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: Moderatorin Sabine Tkatzik auf der Bühne
    VRR-Pressesprecherin und Moderatorin Sabine Tkatzik führte durch die Veranstaltung.
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: Katharina Reinhold, Landrätin Rhein-Kreis Neuss
    Katharina Reinhold, Landrätin Rhein-Kreis Neuss, begrüßte die Gäste im Zeughaus Neuss.
  • Reiner Breuer, Bürgermeister der Stadt Neuss, bei seiner Begrüßung auf der Bühne des Neusser Zeughauses.
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: VRR-Vorstandssprecher Oliver Wittke
    VRR-Vorstandssprecher Oliver Wittke betonte in seiner Rede: "Ob die Verkehrswende gelingt, entscheidet sich im ländlichen Raum, so auch am Niederrhein."
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: Ein XBus vor dem Zeughaus Neuss
    Bei der dritten VRR-Niederrheinkonferenz konnten sich die anwesenden Gäste auch über die XBusse informieren.
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: Blick ins Auditorium
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: Moderatorin Sabine Tkatzik, CAF-Geschäftsführer Marcus Brüning und Georg Seifert, VRR-Abteilungsleiter SPNV (v. l. n. r.)
    In einem Gespräch zwischen CAF-Geschäftsführer Marcus Brüning und VRR-Abteilungsleiter SPNV Georg Seifert ging es um die neuen batterieelektrischen Fahrzeuge für das Niederrhein-Münsterland-Netz.
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: Georg Seifert, VRR-Abteilungsleiter SPNV
    Georg Seifert, VRR-Abteilungsleiter SPNV
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: Marcus Brüning, CEO der CAF Deutschland GmbH
    Marcus Brüning, CEO der CAF Deutschland GmbH
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: zwei Personen aus dem Auditorium
    Teilnehmende der Niederrheinkonferenz richteten ihre Fragen rund um die neuen BEMU-Fahrzeuge an CAF-Geschäftsführer Marcus Brüning
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: ein Willkommens-Schild auf einem Stehtisch
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: Christoph Hölters, Geschäftsführer LAGA GmbH
    Christoph Hölters, Geschäftsführer der LAGA GmbH, stellte das nachhaltige Mobilitätskonzept für die Landesgartenschau in Neuss vor.
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: Robert Nieberg, Koordination ÖPNV / NVP / Gesamtmobilität beim VRR
    Robert Nieberg, Koordination ÖPNV / NVP / Gesamtmobilität beim VRR, berichtete unter anderem über die XBusse und Ingenieurleistungen für den barrierefreien Ausbau von Haltestellen.
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: Mark Binder, VRR-Fachgruppenleiter Tarif
    Mark Binder, VRR-Fachgruppenleiter Tarif, referierte über die große Tarifreform im VRR und die Auswirkungen auf den Niederrhein.
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: Matthias Falkenhagen aus der VRR-Investitionsförderung
    Matthias Falkenhagen aus der VRR-Investitionsförderung widmete sich in seinem Vortrag den Fördermöglichkeiten in Zeiten begrenzter Haushaltsmittel.
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: Ulrich Hornig vom Zukunftsnetz Mobilität NRW
    Auch Ulrich Hornig vom Zukunftsnetz Mobilität NRW berichtete über Fördermöglichkeiten für Kommunen.
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: zwei Personen im Gespräch
    Referenten und Teilnehmende nutzten die VRR-Niederrheinkonferenz für einen intensiven Austausch.
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: drei Personen im Gespräch
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: zwei Personen im Gespräch
  • VRR-Niederrheinkonferenz 2026: die Referent:innen und die Moderatorin der dritten VRR-Niederrheinkonferenz
Wibke Hinz

Von Wibke Hinz
PR- und Online-Redakteurin


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